Roland Sum ist seit Jahren erfolgreicher Hundesportler. Er absolvierte mit seinem Rudel bereits mehrere große Hundeschlittenrennen und wurde 2017 Deutscher Meister im Schlittenhundesport. Josera lud ihn nun zu einem Interview ein, um mehr über den Hundesport und die Schlittenhunde zu erfahren. Wir sind sehr froh und dankbar, Roland Sum als Interviewpartner genauer kennenzulernen und mehr über den Schlittenhundesport und seine Erlebnisse zu erfahren.


 

„Was sind die körperlichen Eigenschaften eines Schlittenhundes?“

Ein Schlittenhund muss körperlich dazu in der Lage sein, den härtesten Wetterbedingungen in Kombination mit körperlicher Höchstleistung über eine lange Zeit standzuhalten. Ein starkes Herz-Kreislaufsystem, eine feste Muskulatur, Kälteresistenz, extreme Ausdauer und Leistungsbereitschaft sind deswegen unabdingbar.


„Welche Charakterzüge sollte ein Schlittenhund mitbringen?“

Kein Schlittenrennen kann gewonnen werden, wenn das Mindset nicht stimmt – das gilt für Halter und Hund. Die Schlittenhunde müssen deshalb sowohl arbeitswillig als auch intelligent und sozial verträglich sein, um auch gemeinsam im Rudel zu funktionieren. Darüber hinaus sind Freundlichkeit, Verspielt, Robustheit, Anpassungsfähigkeit und Selbstständigkeit wichtige Eigenschaften eines Schlittenhundes.

„Was macht einen Schlittenhund besonders und unterscheidet ihn von anderen Hunden?“ Ein Schlittenhund kann ziemlich starrköpfig sowie eigenwillig sein und dennoch ein ausgeprägtes Sozialverhalten im Rudel zeigen.

5 Schlittenhunde ziehen Musher und Hundeschlitten während Schlittenhunderennen
Körperliche und mentale Fitness sind elementar für den Schlittenhundesport.


„Kommen wir zum Schlittenhunderennen: Wo finden die Rennen statt?“

Unsere Rennen finden meist auf Pässen oder in den Alpen statt. In Deutschland sind wir bei vielen Hunderennen am Start. Aber auch in anderen europäischen Ländern wie Frankreich, Österreich, der Schweiz und Italien nehmen wir an Schlittenhunderennen teil.

„Wie läuft ein Rennen ab, wie lange geht ein Rennen?“

Man unterscheidet zwischen  Sprint- und Distanzrennen. Wir fahren Sprintrennen, was bedeutet: kurze Strecke – hohe Geschwindigkeit.

Bei Sprintrennen werden wir in verschiedene Kategorien aufgeteilt: 2er-, 4er-, 6er-, 8er- und offene Teams (10 und mehr). Je nach Anzahl der Hunde vor dem Schlitten unterscheiden sich die Kategorien (z. B.: 8er-Team bedeutet 8 Hunde vor dem Schlitten).

Diese Rennen finden immer an Wochenenden statt. Wir starten jeweils mit zwei Läufen – ein Lauf pro Tag. Die Streckenlänge variiert je nach Teamgröße:

  • 2er-Teams: ca. 6 km
  • 4er-Teams: ca. 8 km
  • 6er-Teams: ca. 12 km
  • 8er-Teams: ca. 16 km
  • offene Teams: ca. 25 km

„Wie bereitet man Hunde auf das Rennen vor? Wie bereitet sich der ‚Pilot‘ vor?“

Mit ungefähr einem Lebensjahr fangen wir mit dem ersten Training unserer Junghunde an. Liegt kein Schnee, fahren wir am Trainingswagen vorzugsweise bei unter 12 Grad im Wald.
Durch monatelanges Training und gesunde Ernährung können wir somit die Körper unserer Hunde optimal auf den Hundesport vorbereiten. Kurz vor der Rennsaison fahren wir auch in die Berge zum Höhentraining.

Die Kondition des Mushers (Pilot) wird schon mal auf die Probe gestellt, wenn er den Schlitten am Berg mitschieben muss.

5 Schlittenhunde rennen mit Hundeschlitten und Roland Sum durch Schneelandschaft
Roland und seine Schlittenhunde in Action.


 

„Zu den Schlittenhunderassen: Welche Rassen gibt es?“

Es gibt verschiedene Schlittenhunderassen, die aus langen Züchtungstraditionen hervorgehen. Am bekanntesten sind Siberian Huskys, Malamutes, Samojeden, Grönlandhunde, Alaskan Huskys, Scandinavian Hounds und Greyster.

„Roland, welche Hunderassen sind in deinem Rudel präsent?“ Ich fahre mit rassereinen Siberian Huskys. Meine Partnerin Babs fährt mit Greystern. Alle unsere Hunde leben gemeinsam in einem Rudel.

„Warum eignen sich diese Rassen für die Sportart?“

Diese beiden Rassen wurden seit Jahrzehnten in Eigenschaften und Charakter für den Schlittensport gezüchtet. Der Husky ist der Spezialist, wenn es um Kälte, Ausdauer und Kraft geht. Der Greyster ist ein wahrer Geschwindigkeitsprofi.


 „Weiter geht’s mit dem Schlittenhundesport: Woher kommt diese Sportart eigentlich?“

Früher waren Schlittenhunde als Transporttiere im Einsatz. Erst später entstanden daraus Rennen. Die Geschichte des Hundeschlittens geht viele Jahrhunderte zurück und beginnt beim Volk der Eskimos, die sie in Nordamerika und Grönland einsetzten. Im 19. Jahrhundert wurden Hundeschlitten in den Polargebieten wie z. B. in Alaska und Sibirien eingesetzt. Der sich daraus entwickelnde Hundesport wurde vor allem Anfang des 20. Jahrhunderts mehr und mehr publik.


„Roland, wie kamst du zu dem Sport und wie lange machst du das schon?“

Früher bin ich Motorrad- bzw. Quadrennen gefahren. Vor ca. 15 Jahren suchte ich jedoch einen sportlichen Ausgleich zum Alltag, also zog der erste Husky bei uns ein, der mich zum Joggen begleitete. Er hieß „Damon“ und war mein erster Skijöring-Partner. Dann wollte ich aber mehr und sammelte Erfahrung bei erfahrenen Mushern. Es hat nicht lang gedauert, bis weitere Huskys dazukamen.

„Wie lange können Schlittenhunde laufen?“ Je nach Training können Distanzhunde über mehrere Tage mehrere Hundert Kilometer zurücklegen.

Vier Huskys am Hundeschlitten rennend während Schlittenhunderennen
Huskys sind perfekte Schlittenhunde, denn sie sind kälteresistent, ausdauernd, schnell und stark.

„Wie lenkt man Schlittenhunde und was ist an einem Schlittenhundegeschirr besonders?“

Unsere Hunde werden über unsere Stimme gelenkt. Wie ein Begleithund lernt auch der Schlittenhund, auf bestimmte Kommandos zu hören. Es gibt verschiedene Geschirrmodelle, die je nach Körperbau des Hundes und Einsatzbereich ausgewählt werden. Wichtig ist, dass es korrekt sitzt, der Hund frei atmen kann und nicht in seiner Laufbewegung behindert wird.


„Roland, wie oft und wie lange bist du während der ‚Saison‘ unterwegs?“

Von Dezember bis April bin ich jedes Wochenende von Freitag bis Sonntag auf Rennen. Findet kein Rennen statt, so wird trainiert.

„Wie oft trainierst du mit deinen Hunden?“

Von September bis Mai trainieren wir 4-mal pro Woche. Ab Mitte Mai gehen unsere Hunde bis Ende August in den Sommerurlaub.


„Welches Ereignis beim Schlittenhunderennen wirst du nie wieder vergessen?“

Was man nie vergisst, sind die Erfolge – wenn man sieht, dass sich all das harte Training auszahlt. Ich werde nie vergessen, wie ich mit meiner Leithündin Rypa Europameister in Italien wurde und wie ich mehrfacher Deutscher Meister mit vier Hunden wurde. Auch der Erfolg meiner Partnerin Babs, die Schweizer Meisterin mit zwei Hunden wurde, wird immer ein spektakuläres Ereignis bleiben.

6 Huskys während Schlittenhunderennen
Nicht nur die gemeinsamen Rennen, sondern auch die vielen Trainingsstunden schweißen Hund und Halter zusammen.


Die 5 klassischen Schlittenhunderassen und ihre Wesenszüge

Schlittenhunde sind Hunde, die mittels Leinen und Geschirr gemeinsam einen Schlitten ziehen. Und doch ist nicht jeder Hund als Schlittenhund geeignet. Obwohl einige Rassen für diesen Sport infrage kommen, wurden bis heute nur fünf Hunderassen offiziell als Schlittenhunde anerkannt. Rassen wie der Greyster sind ebenfalls Schlittenhunderassen – nur wurden sie nicht in der FCI als solche verzeichnet. Die FCI (Fédération Cynologique Internationale) führt folgende Schlittenhunderassen in Gruppe 5, Sektion 1 ("Spitze und Hunde vom Urtyp") auf:

  • Grönlandhund
  • Alaskan Malamute
  • Siberian Husky
  • Kanadischer Eskimohund
  • Samojede

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Schlittenhunderassen werden seit Jahrhunderten speziell für diese körperlich schwere Aufgabe gezüchtet und unterscheiden sich deshalb auch in ihrer Leistungsfähigkeit stark von anderen mittelgroßen Hunderassen. Besonders markant für einen Schlittenhund ist die stark ausgeprägte Ausdauer- und Widerstandsfähigkeit. Kälte ist für die Vierbeiner absolut kein Problem. Schlittenhunde sind meistens sehr ehrgeizige Charaktere, die bereit sind, Leistung zu bringen. Selbst unter den härtesten Bedingungen schaffen sie es, bis zu zweihundert Kilometer am Tag zurückzulegen. Sie kombinieren somit mentale mit körperlicher Stärke.

Wesensmerkmale eines Schlittenhundes

Ein Schlittenhund muss tough sein. Folgende Eigenschaften zeichnen seinen Charakter aus:

  • ehrgeizig
  • robust
  • anpassungsfähig
  • sozial kompetent
  • selbstständig
  • dominant
  • unabhängig
  • eigenwillig
  • aufgeschlossen
  • zutraulich


Fazit: Schlittenhunderennen – eine Sportart, die Mensch und Hund zusammenschweißt

Der Schlittenhundesport hat eine lange Tradition und stellt besondere Anforderungen an Halter und Hund. Als Team trotzen Pilot und Rudel den härtesten Wetterbedingungen und legen dabei große Strecken zurück. Erfolgreiche Hundesportler wissen, dass diese Sportart ohne hartes Training und kompetente Rudelführung nicht zu meistern ist. Dafür schweißt sie ungemein zusammen. Unsere Hunde sind bereits ein Teil unserer Familien. Bestreitet man mit seinen Hunden jedoch Hundeschlittenrennen auf Wettkampfbasis, ist dies noch einmal eine andere Form der Bindung.

Zum Abschluss folgt ein großes Dankeschön an Roland Sum, der sich bereiterklärte, uns von seinen Schlittenhunden und Erfahrungen im Schlittenhundesport zu erzählen!