Kennen Sie das auch? Morgens um halb fünf Uhr hören Sie neben ihrem Bett würgende Geräusche und bevor Sie noch ganz wach sind…nun ja.. um es drastisch zu sagen .. kotzt Ihre Katze auf den Teppich. Das ist nicht schön für den Menschen, der die Flecken wegschrubben muss. Aber es ist auch nicht angenehm für die Katze. Und es ist keineswegs immer harmlos.


Wie erbricht die Katze?

Die typische Körperhaltung beim Erbrechen ist ein eher geducktes Hocken, das so aussieht, wie das Tier sich fühlt: Verkrampft und unangenehm. Manche Samtpfoten geben klagende Töne von sich oder schmatzen einige Male, bevor sie zu würgen oder zu keuchen beginnen. Beim Erbrechen selbst pumpt der ganze Körper stoßartig. Man kann sehen, wie anstrengend das für die Katze sein muss. Nicht immer und nicht ganz leicht zu unterscheiden ist es, wenn die Tiere würgend husten. Wichtigster Unterschied: Beim Husten wird der Hals so lang wie möglich vorgestreckt.


Erbricht die Katze oder regurgitiert sie?

Das Wort „regurgitieren“ haben Sie noch nie gehört? Kein Wunder, es wird meist mit dem Erbrechen gleichgesetzt. Aber es gibt einen wichtigen Unterschied – auch für die Behandlung. Wenn ein Tier schnell schlingt – etwa, weil es beim Fressen gestört wird oder sehr hungrig ist, dann kann es passieren, dass der unverdaute Futterbrei sofort wieder ausgewürgt wird. Hier hilft nur ein gutes Futtermanagement. Viele Menschen sind der irrigen Meinung, eine Katze müsse nur morgens und abends Fressen bekommen. Das widerspricht aber nicht nur der Natur des Beutegreifers Katze, der täglich zigmal jagen und fressen würde. Es ist auch nicht gesund für Ihren pelzigen Liebling. Eine stets hungrige Katze ist immer gestresst und übel gelaunt. Und sie neigt dazu, zu schlingen – das Ergebnis kommt dann unverdaut wieder zurück.

Rotes Kätzchen sitzt im Gras
Wenn Katzen Gras fressen, dient das dem Reinigen des Magens von Haarballen.


Warum erbricht eine Katze?

Manchmal ist zu hören, dass Erbrechen von Gras, Haaren oder Futter harmlos sei. Ganz so einfach ist die Sache leider nicht, deshalb ist gute Beobachtung und Beschreibung der Uhrzeit und der Umstände auch für Ihren Tierarzt wichtig. Sie sehen Ihren Liebling Gras fressen? Dann kann es sein, dass bald darauf ein würgendes Geräusch einsetzt. Katzen benutzen diesen „Ballaststoff“, um Haare, die sie beim Putzen aufgeleckt haben, wieder loszuwerden.

TIPP Als Bezoare bezeichnet man Haarballen, die sich durch die intensive Fellpflege der Katzen ergeben. Die aufgeleckten Haare verkleben im Magen und die Tiere versuchen instinktiv, sie los zu werden. Oftmals sorgt Fressen von Gras dafür, dass diese Klumpen ausgewürgt werden. Spezielle fetthaltige Pasten sorgen aber auch für einen leichteren Transport und ein Ausscheiden mit dem Kot. Es gibt keine Vergleichswerte dafür, wie oft eine Katze diese Klumpen auswürgen sollte oder kann, ohne dass es für das Tier schädlich ist. Aber kommt das regelmäßig vor, sollten Sie zur Sicherheit den Tierarzt aufsuchen, weil es möglicherweise eine Störung der Magen-Darm-Passage gibt.

Erbrechen ist das Symptom, nicht die Krankheit - das könnten die Ursachen sein

  • Futtermittelunverträglichkeit
  • Allergie
  • Gastritis oder Infektionen zum Beispiel im Magen-Darm-Trakt
  • Darmverschluss durch verschluckten Fremdkörper
  • Pankreatitis
  • IBD oder IBS, also chronische Entzündung des Dünndarms oder ein Reizdarm
  • Chronische Niereninsuffizienz
  • Schilddrüsenüberfunktion
  • Vergiftung
  • Diabetes

Bei all diesen Erkrankungen spielt Übelkeit eine Rolle. Dass die Katze erbricht – Futter oder nur Schaum – ist der Versuch, mit der Übelkeit fertig zu werden. Speziell bei einer Chronischen Nierenerkrankung (CNI) oder einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) gehört Erbrechen zu den auffälligen Symptomen. Hier muss aber die Grunderkrankung behandelt werden.


Die Katze erbricht Würmer

Die Sache ist relativ eindeutig und klar: Im Erbrochenen sind Würmer zu erkennen. Das kommt bei Tieren vor, die draußen gelebt haben und noch nie oder lange nicht entwurmt wurden. Hier kann eine Wurmkur Abhilfe schaffen, die eventuell auch mehrmals verabreicht werden muss. Nicht so eindeutig zu sehen ist ein Befall mit Giardien – da hilft nur eine Kotprobe und ein spezieller Test.


Erbrechen bei der Katze als Symptom von Infektionen

Auch bei den gefürchteten Virusinfektionen der Katzen kann das Erbrechen eine Rolle spielen - etwa bei der Katzenseuche (Feline Parvovirose), der Leukose (FeLV) oder der Felinen Infektiösen Peritonitis (FIP). Auch hier ist es immer nur ein Begleitsymptom, meist in Kombination mit:

  • Fieber
  • Appetitlosigkeit
  • Mattigkeit
  • Schmerzen


Kann das Erbrechen mit Stress zusammenhängen?

Ja, das kann es. Sehr sensible Naturen reagieren auf langanhaltenden oder chronischen Stress mit einer Magenschleimhautentzündung. Wenn das Leben aus den Fugen gerät, geht das meist einer damit, dass nicht oder nur unregelmäßig gefressen oder geschlungen wird. Dann kommt es zu häufigem Erbrechen von Schleim, der klar oder leicht gelblich sein kann. Aber spätestens wenn die Samtpfote Blut erbricht, müssen Sie schnellstens den Tierarzt aufsuchen.


Junge Katze sitzt im Gras und schnuppert an einem Pilz
Ein Garten bietet viel Unverdauliches und Unverträgliches für Katzen, das zu Erbrechen führen kann.

Wie geht der Tierarzt vor, wenn Ihre Katze häufig erbricht?

Im Rahmen einer Anamnese, einer Befunderhebung, ist es für Ihren Veterinär wichtig zu wissen, wann und wie oft Ihr Liebling erbricht und ob es sich um Futter, Haare oder Schleim handelt. Hat Ihre Katze stark abgenommen? Tritt auch Durchfall auf oder hat sich die Farbe des Kots verändert? Das gibt einen ersten Aufschluss über die mögliche Ursache. Mehr Informationen liefert ein Blutbild – hier lassen sich Entzündungswerte, aber auch Hinweise auf Allergien und Parasiten finden. Der Tierarzt kann Fieber messen oder mit bildgebenden Verfahren wie Ultraschall oder Röntgen arbeiten. Last but not least kann er auch eine Gastroskopie vornehmen, um Geschwüre festzustellen.

TIPP Wenn Sie den Verdacht haben, dass sich Ihre Katze an Chemikalien oder Pflanzen vergiftet haben könnte, ist es hilfreich, von der Substanz oder dem Stoff etwas mitzunehmen, damit bessere Gegenmaßahmen eingeleitet werden können.

Sollte die Katze durch ein häufiges Erbrechen viel Flüssigkeit verloren haben, kenn es zu einem Austrocknen kommen. Das stellt Ihr Tierarzt fest, indem er im Nacken eine Hautfalte hochzieht. Bleibt die stehen oder geht nur sehr langsam zurück, kann der Mediziner eine Infusion und Elektrolyte geben. So genannte Antiemetika sind sehr wirksame Medikamente, die den Brechreiz unterdrücken und das Würgen verhindern. Säureblocker helfen dem Magen, sich zu erholen, genau wie eine leicht verdauliche spezielle Schonkost.


Was können Sie selbst tun, wenn die Katze Schaum oder Futter erbricht?

Der gereizte Tiermagen braucht eine Pause. Deshalb können Sie für einen Tag das Futter wegstellen und nur Wasser zum Trinken anbieten. Futter wie Leckerchen sind in dieser Zeit tabu. Wenn Sie wieder mit Füttern beginnen, dann am besten mit leicht verdaulichen Proteinen, also Quark, Joghurt, Hüttenkäse oder gedünstetem, fettarmen Geflügel. Hört das Erbrechen nicht auf oder verschlimmert sich, gehen Sie bitte sofort zu Ihrem Tierarzt.

TIPP Vorsicht: Junge Katzen und Tiere mit Übergewicht oder chronischen Krankheiten dürfen nicht hungern. Hier können Sie lieber auf eine Schonkost setzen.


Vorbeugen ist besser…

In den heißen Sommertagen geht das so schnell…ein Futterrest bleibt stehen und verdirbt, da ist Erbrechen programmiert. Essensreste vom Tisch sollten absolut tabu sein. Sorgen Sie dafür, dass sich Ihre Samtpfote nicht selbst bedienen kann. Machen Sie Ihr Zuhause und Ihren Garten katzensicher: Giftige Pflanzen sollten aus dem Katzenhaushalt verschwinden, Haushaltsreiniger und Co. für den Vierbeiner unerreichbar sein. Wenn Sie vermeiden möchten, dass Ihre Katze erbricht, achten Sie auch darauf, dass sie nicht zu schnell oder zu große Portionen frisst. Dieses Risiko ist vor allem dann hoch, wenn Sie mehrere Samtpfoten haben und aufgrund dessen Futterneid entsteht. Füttern Sie Ihre Katzen getrennt voneinander in separaten Zimmern mit verschlossenen Türen. Auch ein Futterautomat, der auf den Chip des jeweiligen Tieres reagiert, kann Abhilfe schaffen.


Fazit

Erbrechen ist selten harmlos und immer ein Symptom einer Befindlichkeitsstörung oder einer Erkrankung. Tritt es häufiger auf, muss es unbedingt vom Tierarzt abgeklärt werden.