Wer sich einen Hund holt, nimmt auch eine haarige Sache in Kauf: die mehr oder wenige aufwändige Fellpflege. Hunde haaren von Natur aus und müssen regelmäßig gebürstet werden. Rassen, die nur wenig oder keine Haare verlieren, wie etwa Pudel oder diverse Terrier-Arten muss man meistens trimmen oder scheren. Doch willkürlich darf die Hundepflege nicht sein – es gibt Rassen, denen der Kontakt mit einer Hundeschere nicht guttut, weil das ihre Fellstruktur nachhaltig verändert. Wer seinem Vierbeiner kein Haar krümmen möchte, erfährt in unserem Beitrag Wissenswertes über Hundefell.  


Welche Hunde brauchen eine Schur?

Hundehaare können im Alltag zu einer echten Herausforderung werden – nicht nur für Allergiker oder leistungsschwache Staubsauger. Für viele Tierhalter gehört der Besuch beim Hundefriseur – oder selbständige Experimente mit einer Hundeschermaschine – zu den regelmäßigen Pflichten. Welche Hunde man scheren oder trimmen soll, hängt von der Art ihres Haarkleides ab. Diese Felltypen gibt es:

  • Das Deckhaar, auch Fellhaar oder Primärhaar, genannt, bildet den kräftigen Hauptteil des Fells und bestimmt auch seine Farbe. Das Deckhaar schützt den Hund vor Sonne, Regen, Schnee und Schmutz sowie mechanischen Einwirkungen.
  • Die Unterwolle, auch Wollhaar oder Sekundärhaar genannt, ist dünn, dicht und dient vor allem der Wärmeisolierung, schützt also sowohl vor Kälte als auch Hitze. Es sorgt auch für Temperaturausgleich bei Klimaunterschieden. Ihre temperaturregulierende Funktion erfüllt die Unterwolle allerdings nur dann, wenn sie noch lebt, nicht verfilzt und nicht stark verschmutzt ist und die toten Wollhaare entfernt wurden.


Samojede – nicht scheren
Samojede gehört zu den ursprünglichen Rassen, die einen Fellwechsel haben und nicht geschoren werden sollen.

Die Unterwollhunde: Der Urtyp mit Fellwechsel

Viele Hunderassen wechseln – also verlieren – sowohl das Deckhaar als auch die Unterwolle. Beide Haartypen leben etwa 10 bis 16 Wochen, bis die Nervenenden an den Haarwurzeln absterben. Die nicht mehr versorgten Haare werden von der Haut abgestoßen und fallen aus. Dieser Felltyp ist der Ursprünglichste und auch beim Wolf zu finden. Die Unterwollhunde sollten nicht geschoren oder getrimmt werden. Durch Scheren wird das Deckhaar im Laufe der Zeit immer dünner und die Unterwolle immer dicker, weil der Hundekörper die Verluste ausgleichen will. Das kann zu Problemen mit Parasiten oder groben Verfilzungen führen. Zu den Rassen, deren Fell einem normalen Lebenszyklus unterliegt, gehören unter anderem nordische Rassen wie Samojede, Alaskan Malamut und Huskys, alle Retriever und Schäferhunde, Australian Shepherd, Berner Senner, Neufundländer, Lang- und Kurzhaardackel, Hovawarth, Collies, Boston Terrier, Bulldoggen oder Leonberger.

TIPP Diese Hunde sollen Sie regelmäßig bürsten. Sonst kann die Menge der abgestoßenen Unterwolle so groß werden, dass sie in Büscheln hängen bleibt. Das ist nicht nur unschön, sondern führt auch zum Juckreiz.

 


Schnauzer trimmen
Schnauzer sollten nicht geschoren, sondern nur getrimmt werden.

Trimmhunde: Wenn die Unterwolle nicht ausfällt

Manche Hunderassen besitzen zwar ebenfalls Deckhaar und Unterwolle, das tote Fellhaar fällt aber nicht aus. Beide Haartypen leben etwa 8 bis 12 Wochen, das abgestorbene Deckhaar bleibt jedoch in der Haut stecken und verhindert ein Nachwachsen neuer Deckhaare. Diese Hunde sollte man trimmen, also per Hand oder mit einem Trimmwerkzeug auszupfen. Eine Schur dieser Rassen wird nicht empfohlen, weil sie die dreischichtige Haarstruktur (zwei Deckhaarschichten und eine Unterwollschicht) zerstört und das Haarwechsel unterbricht. Es wächst kein neues Haar nach, stattdessen wird das starke, farbige Fell durch ein dünnes, graues, einschichtiges Fell ersetzt. Zu diesem Trimm-Felltyp gehören unter anderem alle Spaniel, Setter und Schnauzer, Rauhaardackel, die meisten Terrier, Brüsseler und Belgischer Griffon und auch harthaarige Mischlingshunde.

TIPP Das Handtrimmen kann am ganzen Körper des Hundes erfolgen und ist schmerzlos. Bei regelmäßiger Pflege entsteht ein so genanntes "rolling coat": eine gleichmäßige Decke ohne Trimmlöcher.


Pudel scheren
Pudel muss man regelmäßig scheren, weil sie ein weiches Fell haben, das stetig wächst.

Schurhunde: Wenn die Haare immer wachsen

Viele Hunde, die wenig oder gar nicht haaren, haben ein Fell, das ständig nachwächst. Sowohl die Deckhaare als auch die Unterwolle sind weich, müssen aber regelmäßig gekürzt und in Form gebracht werden. Oft ist auch gar keine Unterwolle vorhanden. Die weiche Fellstruktur neigt leicht zum Verfilzen, deswegen ist auch hier regelmäßiges Bürsten angesagt. Diesen Felltyp haben unter anderem Pudel, Malteser, Yorkshire und Irish Soft Coated Wheaten Terrier, Coton de Tulèar, Bologneser, Löwchen oder Kerry Blue. Auch Shih Tzu, Havaneser, Lhasa Apso und Tibet Terrier gehören in diese Gruppe, diese Rassen sollte man aber eher bürsten und kämmen statt gleich zu einer Schere, Effilierschere oder Schermaschine zu greifen. Ist die Schur zu kurz, kann bei diesen langhaarigen Rassen die Unterwolle Überhand nehmen und das schützende Deckhaar geht verloren.

TIPP Hunde mit weichen Haaren, deren Fell nicht ausfällt, sondern wächst, sollten sehr regelmäßig gebürstet und gegebenenfalls gebadet werden.

„Es gibt nur ein Fell, was geschoren werden darf. Das ist das einschichtige Fell – also ohne Unterwolle – das nicht haart“, sagt Franziska Knabenreich, eine Hundefriseurin, die aus der VOX-Serie „hundkatzemaus“ bekannt ist und in Eltville ihren Hundesalon „feingemacht“ betreibt. „Alles andere, was mehr als eine Fellschicht hat – zwei oder drei – darf man auf keinen Fall abscheren. Niemals. Man kann das Fell kürzen, das auf jeden Fall, wichtig ist aber, dass die Unterwolle und der Filz, wenn vorhanden, entfernt werden. Dann kann – und soll – der Hund sein Haarkleid behalten. Das Abscheren bringt dem Hund keine Abhilfe bei hohen Temperaturen, die Unterwolle bleibt in der Haut stecken, nur dass sie kürzer wird.“


Sommerfrisur beim Hund: Sinnvoll oder schädlich?

Viele Hundehalter neigen dazu, in den heißen Monaten ihrem Hund eine Erleichterung zu verschaffen und sie ganz kurz zu scheren. Das mag auf den ersten Blick sinnvoll erscheinen – der Hund hat weniger Fell zu tragen und die Haut kann besser atmen. Allerdings gibt es entscheidende Nachteile dieser Rasier-Rituale, wenn Ihr Vierbeiner zu den Rassen gehört, die ihr Fell regulär wechseln.

  • Sonne: Wurde das Fell zu kurz geschoren, ist die Haut nicht vor Sonnenbrand geschützt
  • Wasser: Ist der Hund nass, fehlt der natürliche Schutzmantel – die Hunde können leicht eine Erkältung oder gar eine Lungenentzündung bekommen.
  • Parasiten: Das zerstörte Deckhaar verliert seine Schutzfunktion für die Haut, die Unterwolle kann diese Aufgabe alleine nicht stemmen. Bei Nässe saugt sie sich voll, bleibt klamm und die gestaute Feuchtigkeit bietet einen optimalen Nährboden für Parasiten und Hautkrankheiten.

Schwitzen Hunde nicht im Sommer?

Wer sich Sorgen macht, dass sein Hund bei heißen Temperaturen unter seinem dicken Fell ordentlich schwitzt oder gar unter einem Hitzestau leidet, kann sich beruhigt zurücklehnen. Der Hund besitzt fast keine Schweißdrüsen am Körper, außer an den Sohlen der Pfoten. Die Regulation der Körpertemperatur erfolgt größtenteils über das Hecheln: Feuchtigkeit verdunstet auf diese Weise im Maul und Nasenbereich, was einen ähnlichen Effekt hat, wie das Schwitzen beim Menschen. Ein Sommerbad im Hundepool und ein schattiges Plätzchen bringen auch Abkühlung.


Hund selbst scheren oder im Hundesalon?

Ob Sie Ihren Hund selbst scheren bzw. trimmen oder diese Aufgabe einem Profi überlassen, hängt hauptsächlich mit fünf Faktoren zusammen:

  • Stress: Viele Hunde, die an die Besuche im Hundesalon nicht gewöhnt sind, reagieren mit großer Nervosität auf die summenden Geräusche und die Berührung fremder Hände.
  • Geld: Je nach Größe des Hundes kostet das Scheren oder Trimmen beim Hundefriseur zwischen 20 und 80 EUR. Lässt man Hundehaare regelmäßig schneiden, wird das Portemonnaie ordentlich belastet, besonders wenn man einen großen Hund oder mehrere Vierbeiner hat.
  • Optik: Nach einem ungeübten Kontakt mit der Schermaschine oder Hundeschere gleicht die Fellnase aufs Haar eher einer anderen Spezies: einem gerupften Huhn. Kann man haben, muss man nicht.
  • Geduld/Ruhige Hand: Ein wenig Geschick, gepaart mit Geduld und ruhiger Hand dürfen beim Hundescheren nicht fehlen. Sie sollten Ihren Hund auch gut genug kennen, um wahrzunehmen, wenn er beim Frisieren nervös oder gar aggressiv wird.
  • Werkzeug: Egal ob Scheren oder Trimmen – ein gutes, sicheres Werkzeug wie eine spezielle Haarschneidemaschine für Hunde, ein Trimmer und eine Hundeschere mit runden Spitzen – ist unbedingt nötig, um ordentliche Ergebnisse zu erzielen und den Hund nicht zu verletzen.


Bürsten statt Scheren

Eine artgerechte Fellpflege bei Ihrem Hund umfasst vor allem regelmäßiges Bürsten: Eine Bürste sollte zur Grundausstattung eines jeden Hundehaushaltes gehören, noch lange bevor Sie ans Hundescheren denken. Je nach Rasse sollten Sie Ihren Vierbeiner mindestens einmal pro Woche bürsten, beim Fellwechsel und stark haarenden Tieren am besten täglich. Das Bürsten entfernt abgestorbene Unterwolle, regt die Durchblutung an und lässt Luft an die Haut und zwischen die Haare kommen.


Gesundes Fell

Selbst der hippste Hundehaarschnitt kann nicht über struppiges, mattes oder schuppiges Fell hinwegtäuschen. Für eine gesunde Haarpracht sorgt beim Hund hochwertige, naturbelassene Ernährung, die ihn mit allen nötigen Mikronährstoffen versorgt. Achten Sie beim Speisenplan Ihres Vierbeines auf eine ausgewogene Zusammensetzung. Gerade Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren – in einem optimalen Verhältnis zueinander – sorgen für kräftiges, gesundes Fell.


Fazit

Hunderassen mit weichem, stets nachwachsendem Fell kommen ums Scheren nicht herum. Alle anderen sollten lieber nicht in Berührung mit einem Hunderasierer kommen, weil das Scheren die Haarstruktur verändert und zu Komplikationen führen kann. Bevor Sie über eine Schermaschine für Hunde nachdenken, sollten Sie sich gut über die Fellbeschaffung Ihres Lieblings informieren. In den meisten Fällen reicht die alte gute Bürste oder aber ein Trimmer. Unabhängig vom Felltyp ist die „Fellpflege von innen“ entscheidend: artegerechte, naturbelassende Hundenahrung.