Das passiert so schnell: Ihr Tier verletzt sich beim Spaziergang oder frisst etwas Unverträgliches. Er überhitzt sich oder gerät in eine andere Notsituation. Jetzt sind ein kühler Kopf und schnelle erste Hilfe für den Hund gefragt. Damit Sie wissen, wie es geht, geben wir Ihnen in diesem Ratgeber wichtige Tipps für Maßnahmen und die richtige Hunde-Apotheke.


Ob bei Ihrem eigenen Vierbeiner oder einem fremden Hund in Not – bis das Tier einem Tierarzt vorgestellt werden kann, vergeht kostbare Zeit. Die können Sie aber nutzen, wenn sie planvoll vorgehen. Erste Regel: Stellen Sie fest, wo und wie Ihr vierbeiniger Freund verletzt ist oder ob Herz und Atmung normal funktionieren.

Bild zeigt Notfallausrüstung, Verbandsmaterial, Schere, Pinzette, Tabletten,
In ein solches Set für die Erste Hilfe beim Hund gehören Schere, Verbandsmaterial und Desinfektionsmittel.

TIPP: Die Hundeapotheke Erste Hilfe ist nicht immer leicht zu leisten – je nachdem, wo der Unfall oder wie die Verletzung passiert ist. Für Hundehalter ist es deshalb umso wichtiger, eine Notallausrüstung im Auto oder Zuhause zu haben – um auf möglichst vieles vorbereit zu sein. Da hinein gehören: steriles Verbandmaterial, Binden, Wundkompressen, Watte, Decke, Schere und Pinzette, Desinfektionsmittel. Gut ist, wenn Sie auch gleich die Telefonnummer Ihres Tierarztes und der nächsten Tierklinik parat haben. Auch Zuhause brauchen Sie unbedingt eine Grundausrüstung für Krankheits- und Notfälle – eine kleine Hundeapotheke. Da hinein gehören unbedingt Kohle – und Eektrolyttabletten, Wärme- und Kühlpacks.


Erste Hilfe am Hund: Acht wichtige Schritte

Schritt eins: Sichern Sie Ihr Tier

Tiere, die einen Schock erlitten haben, können aggressiv werden oder wegrennen. Sie erkennen auch den eigenen Menschen nicht mehr. So schwer das auch fällt: Beruhigen Sie Ihren Hund und bringen auch andere Beteiligte dazu, ruhig und leise zu sprechen und sich so zu bewegen, damit das ohnehin gestresste Tier nicht noch mehr verunsichert wird. Sobald Sie merken, dass Ihr Vierbeiner entspannt, nähern Sie sich und sichern ihn.

Bevor Sie mit der Ersten Hilfe überhaupt beginnen können, ist es ratsam, ihm einen Maulkorb oder eine Maulschlinge anzulegen, damit er nicht beißen, aber trotzdem noch atmen kann. Binden Sie Ihren Liebling an einem Baum oder Zaun fest, damit er nicht in Schmerz oder Panik wegrennt und sich noch schlimmer verletzt.

Schritt zwei: Prüfen sie auf Sauerstoffmangel

Einen Sauerstoffmangel können Sie, genauso wie den Kreislaufzustand, im Maul des Tieres sehen. Die Schleimhaut sollte feucht, glänzend, glatt und rosa sein, dann ist der Sauerstoffgehalt normal. Stellen Sie Ablagerungen oder farbliche Veränderungen wie Rötungen, Blässe oder eine bläuliche Färbung fest, dann können das Zechen einer Erkrankung sein. Eine lila bis bläuliche Farbe weist auf einen Sauerstoffmangel hin, ein hoher Blutverlust lässt an einer blassen Farbe erkennen und eine dunkelrote Verfärbung deutet auf eine Entzündung, eine Infektion oder einen Hitzschlag hin.

Schritt drei: Klären Sie den Kreislaufzustand

Den Kreislaufzustand können Sie bei Ihrem Hund in der Schnauze feststellen. Dabei müssen Sie die Lefze nach oben ziehen und das Zahnfleisch auf seine Farbe überprüfen. Ist es rosa oder weiß? Drücken Sie mit Ihrem Finger für einige Sekunden fest auf eine Stelle im Maul. Dauert es länger als zwei Sekunden, bis die Stelle nach dem Fingerdruck wieder rosa oder durchblutet ist, dann ist der Kreislaufzustand Ihres Vierbeiners problematisch.

Eine andere Möglichkeit ist es, den Kreislaufzustand am Auge Ihres Hundes zu prüfen. Ziehen Sie das untere Augenlied nach unten. Auffällige farbliche Veränderungen der Bindehaut können ein Signal für den schlechten Kreislaufzustand sein.

Schritt vier: Bringen Sie den Hund in eine stabile Seitenlage

Wenn sich ihr Liebling verletzt hat, dann stellen Sie zunächst fest, auf welcher Seite – dann drehen Sie den Hund so, dass die Verletzungen oben sind und er nicht darauf liegen muss. Um es dem verletzten Tier bequemer zu machen, legen Sie am besten eine Decke oder ein Kleidungsstück unter.

Ist Ihr Tier im Schockzustand, nicht ansprechbar oder ist eine Wiederbelebung notwendig, dann legen Sie Ihren Hund auf die rechte Seite. Legen Sie eine Decke oder ein Kissen unter das Becken. Richten Sie Kopf- und Wirbelsäule in einer gerade Linie aus. Ist der Hund nicht bei Bewusstsein, dann öffnen Sie ihm das Maul und ziehen Sie die Zunge heraus, damit er gut atmen kann. Die Schnauze muss der tiefste Punkt sein. Diese stabile Seitenlage ist wichtig, damit das Tier nicht erbricht oder erstickt.

 

Schritt fünf: Überprüfen Sie die Atmung

Öffnen Sie das Maul Ihres Tieres und schauen, ob Sie dort oder im Rachen Erbrochenes oder Fremdkörper finden. Hebt sich der Brustkorb au- und ab? Wenn Sie sich nicht sicher sind, legen sie Ihre Fingerspitzen auf dem Brustkorb und fühlen, ob eine eigenständige Atmung stattfindet. Wenn auch das nicht so recht funktioniert, halten Sie Ihre angefeuchtete Hand vor die Hundenase – auch so können Sie die Atmung spüren.

Zählen Sie 15 Sekunden lang, wie viele Atemzüge Ihr Hund macht und multiplizieren das mit vier. Das Ergebnis sollte im Bereich von 10 – 40 Atemzügen pro Minute liegen.

Schritt sechs: Messen Sie den Puls

Wenn es möglich ist, legen Sie den Hund zum Pulsmessen auf die Seite. Sie können aber auch im Stehen am Oberschenkel eines Hinterlaufs die Beinschlagader tasten. Mit zwei Fingern messen Sie für 15 Sekunden die Pulsschläge und multiplizieren mit vier. Dann haben die als Ergebnis die Herzschläge pro Minute. Bei kleinen Hunden liegen die Normalwerte zwischen 100 und 120 Herzschlägen pro Minute und bei großen Hunden zwischen 80 und 100.

Schritt sieben: Informieren Sie den Tierarzt vorab

Rufen Sie schon vor dem Transport Ihres verletzten oder kranken Tieres bei einem Tierarzt oder in einer Tierklinik an und schildern Sie die Symptome, damit sich die Praxis oder Klinik eventuell vorbereiten kann.

Schritt acht: Sorgen Sie für einen sicheren Transport

Ist ihr treuer Freund eher ein West Highland Terrier oder ein Schäferhund? Ein kleines Tier können Sie eventuell im Arm tragen, einen großen Vierbeiner sollten Sie in der Box transportieren. In jedem Fall muss sicher sein, dass das verängstige oder unter Scherzen leidende Tier nicht auf dem Parkplatz des Tierarztes aus dem Auto springt. Besteht die Gefahr einer Wirbelsäulenverletzung, so sollten Sie Ihren Hund auf einer festen Unterlage transportieren, um die Verletzung nicht weiter zu verschlimmern.


Die fünf häufigsten Unfall- und Notsituationen bei Hunden

Ein Unfall mit dem Auto

Ein unachtsamer Moment, schon ist es geschehen – Ihr Vierbeiner wird vom Auto angefahren. Bei einem Unfall können Hautverletzungen bei Ihrem Hund auftreten, im schlimmsten Fall Beinbrüche oder lebensbedrohliche innere Verletzungen.

Bissverletzungen

Auch bei Verletzungen durch Beißereien sollten Sie sofort sorgfältig auf schwerere Verletzungen untersuchen. Stellen Sie fest, dass Ihr Hund stark blutet oder einen offenen Knochenbruch hat, dann müssen Sie umgehend die Blutungen mit einem nach Möglichkeit sterilen Druckverband stoppen. Hier besteht die Gefahr von Infektionen und Fieber, deshalb muss das Tier so schnell wie möglich zum Tierarzt.

Vergiftung

Verfressene Exemplare der Gattung canis lupus familiaris sind ja leider besonders gefährdet, irgendetwas zu schlucken, was unbekömmlich, im schlimmsten Fall giftig ist. Rattengift, Schneckenkorn, Medikamente, aber auch Schokolade oder Frostschutzmittel sind extrem gefährlich. Wenn Ihr Tier sich ungewöhnlich verhält, erbricht oder krampft, kann es sich um eine Vergiftung handeln. Die erste und wichtige Hilfe für den Hund besteht in dem Fall nicht drin, ihn zum Erbrechen zu bringen, sondern ihn sofort dem Tierarzt vorzustellen. Alles andere könnte die Situation nur noch verschlimmern. Wenn das Gift bekannt ist, nehmen Sie eine Probe mit zum Tierarzt.

Darmverschluss

Leider gibt es sehr verspielte Naturen, die ihr Spielzeug zum Fressen gerne haben und auch sonst alles verschlucken, was ungesund ist. Das kann zu einem Darmverschluss führen, der lebensbedrohlich ist. Kann Ihr felliger Freund keinen Kot absetzen oder hat offensichtlich starke Schmerzen und einen aufgeblähten Bauch, senkt den Kopf, versucht, zu erbrechen, speichelt stark und streckt die Vorderbeine seitlich aus – dann muss er umgehend zum Tierarzt.

Hitzschlag

Ihr felliger Begleiter hechelt und speichelt, die Zunge hängt weit heraus? Er ist unruhig oder panisch? Seine Ohren sind auffällig heiß? Der Blick ist glasig und der Gang unsicher? Dann spricht alles für Überhitzung. Jetzt heißt es, das Tier schnell in einen kühlen schattigen Raum zu bringen, auf ein feuchtes Handtuch zu legen und die Pfoten anzufeuchten und zu kühlen. Niemals darf der Hund mit kaltem Wasser übergossen werden

Hund liegt, Kopf auf den Pfoten, schaut krank oder traurig
Wenn der Hund sich auffällig verhält, schlapp oder müde wirkt, erbricht oder speichelt, sollten Sie auch eine Erkrankung denken


Ein Erste-Hilfe-Kurs Hund – das gibt Sicherheit in Notsituationen

Um sich in Situationen richtig zu verhalten, wenn Ihr Liebling sich verletzt hat oder krank ist, können Sie einen Erste-Hilfe-Kurs für Hunde besuchen. Dort wird Ihnen gezeigt, wie Sie die Vitalzeichen oder den Kreislauf überprüfen können. Sie lernen, wie Sie Ihren Hund in die stabile Seitenlage legen, um bei möglichem Erbrechen einer Erstickung vorzubeugen. Und last but not least können Sie dort trainieren, was zu tun ist, wenn Ihr Hund einen Herzstillstand erleidet – eine Mund-zu-Nase Beatmung. Auch ein Erste-Hilfe-Buch kann auf den Notfall vorbereiten.


Fazit

Als Hundehalter sollten Sie auf Situationen vorbereitet sein, bei denen Ihr Hund in eine Notlage gerät. Wenn möglich, holen Sie sich einen Helfer dazu, der Sie bei den Erste-Hilfe-Maßnahmen unterstützt oder der sofort den Tierarzt telefonisch alarmieren kann.