Öffnen die niedlichen, flauschigen Samtpfoten ihr Maul, zeigt sich etwas sehr Beeindruckendes: das Gebiss. Beschäftigt man sich mit dem Aufbau des Katzengebisses, wird schnell klar: Es ist ein evolutionäres Meisterwerk, jeder Zahn erfüllt eine Funktion. Das Katzengebiss ist darauf ausgelegt, Beutetiere zu töten und zu zerteilen. Welche Aufgaben es noch übernimmt, erfahren Sie im nachfolgenden Ratgeber. Wir beleuchten dort außerdem die Unterschiede zum Milchgebiss und gehen auf rassetypische Unterschiede, mögliche Erkrankungen sowie Tipps zur Pflege ein.


So ist das Gebiss einer Katze aufgebaut

Katzen sind Fleischfresser, sogenannte Carnivoren. Ihr Gebiss ist daher ideal, um Beute zu schnappen, zu töten und zu mundgerecht zerreißen. Eine erwachsene Samtpfote hat 30 Zähne, davon 16 oben und 14 unten. Ober- und Unterkiefer sind mit einer Art Scharniergelenk verbunden. Die Lücke zwischen den Fangzähnen und den vorderen Backenzähnen nennt sich Diastema. Im Katzengebiss befinden sich verschiedene Zahnarten, die in der Grafik abgebildet sind:

  1. Schneidezähne (Incisivi bzw. I/i): Erwachsene Katzen besitzen jeweils sechs davon, die idealerweise im Unter- und Oberkiefer senkrecht aufeinander stehen. Sie dienen zur Nahrungsaufnahme, helfen aber auch bei der Körperpflege.
  2. Fangzähne (Canini bzw. C/c): Sie sind sehr ausgeprägt – wie bei kleinen Vampiren. Denn manchmal blitzen sie sogar hervor, wenn die Samtpfote ihr Maul geschlossen hat. Katzen haben insgesamt vier spitze Fang- bzw. Eckzähne, mit denen sie ihre Beute fangen und mit einem gezielten Biss in den Nacken töten.
  3. Vordere Backenzähne (Prämolaren bzw. P/p): Im Katzengebiss gibt es insgesamt zehn davon, sechs oben und vier unten. Sie sind nicht ganz so ausgeprägt wie die Fangzähne, aber ebenfalls spitz. Die Fellnase zerreißt damit ihre Nahrung. Daher sind sie auch als Reißzähne bekannt.
  4. Hintere Backenzähne (Molaren bzw. M/m): Diese fehlen beim Milchgebiss und entwickeln sich erst, wenn die Katze älter wird. Am Ober- und Unterkiefer befinden sich dann jeweils zwei Molaren, mit denen ebenfalls Futter zerkleinert wird.

TIPP Gesundes Zahnfleisch bei Katzen (Nr. 5 in der obigen Abbildung) ist in der Regel blassrosa. Während des Zahnwechsels kann es allerdings gerötet sein. Ist das Erwachsenengebiss der Katze voll ausgebildet, geht auch die Rötung zurück.

Zahnformel

Diese Formel stammt aus dem medizinischen Bereich. Sie gibt an, aus wie vielen Zähnen das Katzengebiss sich zusammensetzt. Zudem liefert sie einen Überblick über die verschiedenen Zahnarten. Die Zahlen stehen für die Anzahl, die Buchstaben stehen für die lateinischen Namen der Zähne. Kleinbuchstaben beschreiben die Milchzähne, Großbuchstaben das Erwachsenengebiss. Für erwachsene Katzen lautet die Zahnformel des Gebisses:

  • Oben: 1M 3P 1C 3I 3I 1C 3P 1M
  • Unten: 1M 2P 1C 3I 3I 1C 2P 1M

Milchgebiss und Zahnwechsel kurz erklärt

Katzenbabys kommen ohne Zähne auf die Welt. Erst nach zwei bis fünf Wochen bricht das Milchgebiss junger Katzen durch und nach etwa acht Wochen ist es ausgebildet. Das Milchgebiss setzt sich aus 26 Zähnen zusammen. Die Zahnformel lautet bei Kitten wie folgt. Wie bereits erwähnt bildet sie die jeweiligen Katzenzähne auf einer Kieferhälfte ab:

  • Oben: 3p 1c 3i 3i 1c 3p
  • Unten: 2p 1c 3i 3i 1c 2p

Nach etwa vier Monaten ist es dann soweit: Die Milchzähne fallen aus und werden durch die zweiten Zähne ersetzt. Beim Erwachsenengebiss kommen vier weitere Zähne hinzu. Außerdem verändern sich die Proportionen von Kiefer und Schädel. Bei diesem sogenannten Zahnwechsel des Katzengebisses werden die Zähnchen oft verschluckt. Das ist ganz normal und in der Regel kein Problem für die Kitten. Auch erhöhter Speichelfluss, Mundgeruch und gerötetes Zahnfleisch sind nicht ungewöhnlich. Weiterhin kann der Zahnwechsel bei Katzen mit Durchfall und Fieber einhergehen.


Katze liegt auf dem Rücken und spielt mit einer Maus
Katzen sind Fleischfresser – ihr Gebiss ist dafür gemacht, Beute zu packen, zu töten und zu zerteilen.

Katzenzähne sind zum Fleischfressen gemacht

Das Gebiss spiegelt immer die Ernährungsweise wider. Da Katzen Raubtiere sind, brauchen sie ein starkes Gebiss, mit dem sie …

  • ihre Beute packen und festhalten.
  • das Opfer mit einem Nackenbiss töten.
  • das Fleisch leicht zerteilen.
  • tierische Knochen zerkleinern.

Die Fang-, Reiß- und Backenzähne greifen ähnlich wie bei einer Zackenschere ineinander. So fällt es Katzen leicht, ihre Beute zu zerteilen. Sie sind eben echte Fleischfresser! Die Schneidezähne sind merklich kleiner als die anderen Zähne und arbeiten wie eine Zange. Zur Nahrungsaufnahme werden sie allerdings weniger genutzt – höchstens, um Fleischreste von einem großen Knochen abzunagen oder Federn und Haarbüschel von der Beute zu entfernen. Denn in der Regel schlucken Katzen relativ große Fleischstücke, ohne sie vorher zu zermahlen. Sie können ihren Unterkiefer kaum verschieben, sodass sie ihren Kopf beim Kauen in verschiedene Richtungen bewegen.

TIPP Wie Sie sehen ist das Katzengebiss für die Fleischaufnahme bestimmt. Diese Tatsache sollten Sie beachten, wenn Sie ihr Haustier füttern. Hochwertiges Nassfutter ahmt die natürliche Ernährung einer Katze nach. Es kann mit gutem Trockenfutter ergänzt werden. Es ist allerdings ein Mythos, dass dies das Gebiss reinigt. Denn wie Sie nun wissen, sind Katzenzähne nicht gemacht, um kleine Trockenfutter-Briketts zu zermahlen. Sie reiben nicht genug an den Zähnen, um Ablagerungen zu entfernen.


Katze sitzt auf einem Stein und putzt ihr hinteres Bein
Katzen nutzen ihr Gebiss zur Körperpflege.

Das Katzengebiss hat noch weitere Funktionen

Samtpfoten sind sehr reinlich. Zum Beispiel nehmen sie sich ausgiebig Zeit, um sich zu putzen und ihr Fell zu pflegen. Dazu ist das Katzengebiss ein wichtiges Werkzeug. Denn mit ihren Schneidezähnen fischen Katzen Flöhe aus ihrem Fell und entfernen Verschmutzungen oder Verfilzungen. Katzenzähne sind also auch wichtig für die Körperpflege.


Erkrankungen des Gebisses erkennen und behandeln (lassen)

Hat Ihre Katze Mundgeruch? Verhält sie sich anders als sonst? Ist sie passiver? Lässt sie sich ungern im Gesicht streicheln? All das sind Anzeichen für Zahn- oder Zahnbetterkrankungen. Überprüfen Sie, ob das Zahnfleisch gerötet ist oder sogar blutet. Sind die Zähne verfärbt oder voller Ablagerungen? Dann ab zum Tierarzt. Er führt eine Gebisskontrolle durch und stellt mögliche Erkrankungen fest.

Zahnbelag bzw. Zahnstein Beläge mit Bakterien verhärten sich mit der Zeit und werden zu Zahnstein. Diesen erkennen Sie an braunen Ablagerungen auf den Zähnen. Die Erreger schaden dem Zahnfleisch, das sich entzündet. Wird Zahnstein nicht behandelt, greift er das gesamte Katzengebiss an. Die Bakterien gelangen letztlich in die Blutbahn und schädigen Organe. Das geschieht oft, ohne dass die Besitzer etwas merken. Daher ist es wichtig, Zahnbelag ernst zu nehmen und rechtzeitig zu behandeln.

Weitere typische Krankheiten des Katzengebisses sind zum Beispiel die Folgenden:

  • Gingivitis: Zahnfleischentzündung durch Belag zwischen Zahn und Zahnfleisch. Lässt sich durch Zahnreinigung bekämpfen.
  • Parodontitis: Entzündlicher Schwund am Zahnbett und Zahnhalteapparat. Die Zähne werden dadurch mit der Zeit locker.
  • Gingivarezession: Das Zahnfleisch zieht sich immer weiter zurück, sodass die Zahnwurzeloberfläche freigelegt wird und Schmerzen entstehen.
  • Feline odontoklastische resorptive Läsionen (FORL): Autoimmunerkrankung, bei der körpereigene Zellen die Zahnhartsubstanz immer weiter auflösen. Diese Erkrankung tritt meist in fortgeschrittenem Alter auf. Reinrassige Abessinier, Siamesen, Russisch Blau, Scottish fold und Perser sind aber oft schon früher betroffen.

Lassen Sie solche Krankheiten des Katzengebisses nicht von einem Tierarzt behandeln, kann es zu Knochenschwund kommen. Solche Veränderungen am Kiefer werden Ihrer Samtpfote bleiben und Probleme verursachen.

Achtung bei Zahnfrakturen: Bemerken Sie, dass ein Zahn aus dem Katzengebiss gebrochen ist, gehen Sie direkt zum Tierarzt. Wird die Fraktur nicht rechtzeitig behandelt, können der Nerv und die Blutversorgung absterben. Bakterien können sich dann im Kieferknochen einnisten und Abszesse verursachen. Da Katzen Schmerzen anders äußern als Menschen, entdecken viele Besitzer die Zahnfraktur erst spät. Dennoch sollte zum Beispiel eine Wurzelkanalbehandlung durchgeführt oder der abgebrochene Zahn gezogen werden.

Eine sitzende Katze zeigt ihr Gebiss
Das Katzengebiss sollte regelmäßig kontrolliert werden, um Krankheiten frühzeitig zu erkennen.

TIPP Ein niedliches Kitten zieht ein? Dann gewöhnen Sie es direkt daran, dass das Gebiss regelmäßig kontrolliert und gereinigt wird. Gewöhnen Sie die junge Samtpfote von klein auf daran, sträubt sie sich später nicht bzw. weniger dagegen.


Getigerte Katze mit blauen Augen leckt sich über das Maul
Manche Katzen lassen ihr Gebiss problemlos putzen, andere wehren sich dagegen.

So pflegen Sie das Gebiss Ihrer Katze

Möchten Sie Ihrer Katze die Zähne putzen, sollten Sie sie langsam daran gewöhnen:

  • Streicheln Sie während des Schmusens auch die Lippen Ihrer Samtpfote.
  • Heben Sie die Lippen und berühren Sie das Zahnfleisch bei den nächsten Kuscheleinheiten.
  • Beginnen Sie mit der Zeit, das Zahnfleisch leicht zu massieren.
  • Benutzen Sie Katzenzahnpasta, sobald das Tier sich an die Massage gewöhnt hat.
  • Macht Ihr Haustier das ohne Beschwerden mit, können Sie sogar eine weiche Zahnbürste für das Katzengebiss verwenden.

Was tun bei widerspenstigen Katzen?

Es gibt Samtpfoten, die sich nicht ins Maul schauen – geschweige denn fassen – lassen. Zwingen Sie sie nicht dazu. Achten Sie darauf, ihr hochwertiges Katzenfutter zu geben. Füttern Sie zahnreinigende Leckerlis oder geben Sie spezielle Zahnpasten ins Futter.


Fazit

Das Katzengebiss besteht aus 30 Zähnen mit unterschiedlichen Funktionen. Beute jagen, Fleisch fressen, Fell pflegen – dafür ist das Gebiss ausgelegt. Wichtig ist, dass Sie Zahnstein vorbeugen. Putzen Sie Ihrer Samtpfote die Zähne oder geben Sie Katzenzahnpasta ins Futter.