Gerötete, tränende oder vereiterte Augen? Hier lesen Sie alles Wichtige darüber und wann Sie unbedingt zum Tierarzt gehen sollten.


Golden, grün, blau, gelb – die Augen der Katzen schlagen Menschen von jeher in ihren Bann. Wir schauen, wenn wir eine Samtpfote ansehen, immer zuerst in ihre Augen. Zum Glück, denn die sind nicht nur wunderschön, sondern zeigen recht schnell, ob es eine Störung im Befinden gibt. Augenerkrankungen bei Katzen sind nicht selten, fast jede Mieze hat im Laufe ihres Lebens einmal damit Probleme.

Wenn Ihnen eines dieser folgenden Anzeichen auffällt, sollten Sie auf jeden Fall immer so schnell wie möglich die Ursache abklären lassen, denn oft ähneln sich die Symptome, aber die Ursachen müssen anders behandelt werden.


Reizung durch Umwelteinflüsse

Staub oder Gas, Sprays – wenn die Mieze versehentlich damit in Berührung kommt, können die Augen gereizt reagieren. Das sollte sich aber schnell legen. Wenn nicht, muss abgeklärt werden, ob eine Therapie nötig ist.

Nahaufnahme eines Katzenauges
So sollen Katzenaugen aussehen: Klar, nicht trübe oder tränend, nicht gerötet.


Das Katzenauge wird im Kampf verletzt

Erst wird gesungen, dann wird geprügelt. Wenn sich zwei wild entschlossene Furien gegenüberstehen, fliegen schnell Pfoten und Fell. Ob bei den Revierkämpfen der Kater oder bei sonstigen Auseinandersetzungen – oft wird der Gegner mit den Krallen der Vorderpfoten traktiert. Das gibt tiefe Kratzer im Gesicht und an den Ohren – und manchmal auch an den Augen. Wenn das Auge blutig aussieht oder nicht mehr geöffnet werden kann, ist sofort medizinische Hilfe gefragt.


Ein Fremdkörper im Auge der Katze

Vor allem Freigänger können Gefahr laufen, einen Fremdkörper im Auge zu haben, was zum Glück aber selten passiert. Meist werden die Katzen versuchen, mit der Pfote intensiv über das Auge zu reiben, um den Fremdkörper zu entfernen. Zögern Sie nicht lange und stellen Sie ihre Mieze umgehend dem Veterinär vor. Auf keinen Fall sollten Sie selbst versuchen, am Auge irgendetwas zu unternehmen oder mit Hausmitteln zu experimentieren.

TIPP: Bitte benutzen Sie auf keinen Fall Kamillentee oder Kamillenkonzentrat, um das Katzenauge zu reinigen. Auch fusselnde Watte macht es nur schlimmer. Wenn überhaupt, dann nehmen Sie warmes Wasser und ein weiches Tuch.


Das Roll-Lid – erblich oder im Laufe des Lebens erworben

Entropium lautet der Fachbegriff für das sogenannte Roll-Lid. Bei Hunden kommt es häufiger vor als bei Katzen. Die Veranlagung dazu kann vererbt werden, dabei sind dann vor allem Maine Coon, Britisch Kurzhaar oder Perser betroffen. Durch das ständige Reiben der Wimpern an der Hornhaut ist das Auge dauernd gereizt, gerötet und tränt.


Der Tränen-Nasenkanal ist verschlossen

Vor allem bei den Miezen im hellen Fell sieht man manchmal um das Auge herum eine rötliche oder bräunliche Verkrustung. Das Auge tränt und an der Luft nimmt die Tränenflüssigkeit die bräunliche Farbe an. Der Grund dafür ist oft, dass sie nicht abfließen kann. Davon betroffen sind häufig die kurznasigen Perser. Aber auch bei anderen Rassen kann es vorkommen. Tierärztliche Augenspezialisten können mit unter Umständen einem Eingriff den Tränen-Nasenkanal weiten. Ob der Eingriff sinnvoll ist, muss gut überlegt werden.

TIPP: Bei allen Arten von Auffälligkeiten am Auge sollten Sie nicht zögern, sofort den Tierarzt zu informieren und die Symptome zu schildern. Nur der Fachmann kann erkennen, ob sofortiger Handlungsbedarf besteht. Im Zweifel wird ihr Veterinär sie an einen Augenspezialisten für Katzen verweisen.

Augen einer Katze werden gesäubert
Ihr Tierarzt hilft Ihnen die Ursachen für Beschwerden am Auge Ihrer Samtpfote zu finden.


Das Glaukom oder der grüne Star: Sofortiges Handeln ist nötig

Menschen können an einem Glaukom erkranken, aber Katzen auch. Was auch als „grüner Star“ bezeichnet wird, meint eine Erhöhung des Drucks im Auge. Das führt zu sehr starken Kopfschmerzen. Achtung: wenn Ihre Katze lichtempfindlich ist oder den Kopf über den Boden reibt, suchen Sie bitte sofort den Tierarzt auf. Unbehandelt führt ein Glaukom, dass innerhalb von Stunden auftreten kann, zur Erblindung. Der Veterinär kann Medikamente geben, die schnell den Druck senken. Im schlimmsten Fall muss das Auge operativ entfernt werden.


Hypertensive Retinopathie – der Blutdruck ist zu hoch

Ja, auch Bluthochdruck kommt bei den Samtpfoten vor und der Tierarzt kann ihn mit einer speziellen Manschette messen. Oft aber tritt der Verdacht auf einen zu hohen Blutdruck erst dann auf, wenn es Veränderungen an den Augen gibt. Starre, sehr geweitete Pupillen sind ein Symptom davon. Bemerken Sie, dass Ihre fellige Freundin manchmal gegen Tischbeine oder Schränke läuft? Oder dass sie sich an den Wänden entlang tastet, um sich zu orientieren? Auch hier ist schnelles Handeln gefragt. Der hohe Blutdruck ist oft eine Nebenerscheinung einer Chronischen Niereninsuffizienz (CNI) einer Schilddrüsenüberfunktion (SDÜ) einer Herzerkrankung oder des Diabetes mellitus. Er sorgt unbehandelt dafür, dass sich die Netzhaut ablöst und abstirbt – die Katze erblindet. Blutdrucksenker, rechtzeitig eingesetzt, können das verhindern. 

Nahaufnahme von großen gelb-grünen Katzenaugen
Große starre Pupillen können auf einen Bluthochdruck und eine Erblindung hinweisen.


Exophtalmus – das Auge tritt hervor

Das ist nicht zu übersehen und wirkt sehr erschreckend: Das Auge quillt aus dem Kopf heraus. Der Augapfel, „bulbus“, tritt aus seiner Höhle hervor, weil dahinter eine Zubildung geschieht. Man spricht von einem „retrobulbären Prozess“. Dafür verantwortlich sind entweder Abszesse oder Tumore. Mit einem bildgebenden Verfahren kann der Tierarzt das Ausmaß erkennen und die nötige Therapie einleiten.


Cornea nigra, die Hornhautnekrose

Diese Erkrankung der Hornhaut tritt tatsächlich nur bei Katzen, nicht bei Hunden auf. Zu erkennen ist sie an einer Verfärbung, die braun oder schwarz auf der Hornhaut liegt. Symptome sind Tränenfluss, heftiges Blinzeln oder eine trübe Hornhaut. Manchmal ist nur ein, oft sind beide Augen betroffen. Auf jeden Fall geht es mit Schmerzen einher und muss meist operativ behandelt werden. Als Ursache wird eine erbliche Veranlagung vermutet. Auch hier sind die Perser, Siam, Maine Coon und Britisch Kurzhaar besonders betroffen. Es kann aber auch einen Zusammenhang zu Virusinfektionen geben, etwa durch das Herpesvirus.


Augenkrankheiten im Zusammenhang mit Infektionen

Die Konjunktivitis

Damit ist allgemein eine Bindehautentzündung gemeint. Sie zeigt sich oft als Folge einer Infektion – etwa mit dem Katzenschnupfen. Der wird von Bakterien und Viren wie dem Herpesvirus ausgelöst. Schnupfen, Niesen oder Husten gehören dazu. Wenn auch die Augen gerötet oder geschwollen sind, wenn es zu Augenausfluss kommt, der eitrig wird, dann spricht vieles für eine Herpesinfektion. Die ist leider oft sehr langwierig und muss so schnell wie möglich behandelt werden. Vor allem ungeimpfte Jungkatzen leiden oft unter schweren Augeninfektionen, die im schlimmsten Fall zu Hornhautgeschwüren oder Erblindung führen können. Der Tierarzt kann die Infektion als solche mit antiviralen Mitteln therapieren und gegen die Augenentzündung Salben oder Tropfen verordnen.

Auch Chlamydien verursachen eine Infektion mit oft sehr ähnlichen Symptomen. Chlamydien sind allerdings keine Viren, sondern Bakterien. Um eine Infektion durch Herpesviren ausschließen zu können, wird ein Augenabstrich gemacht und untersucht. Anders als bei einer Viruserkrankung können hier Antibiotika zum Einsatz kommen.

Die Herpesviren gehören vermutlich auch zu den Verursachern der eosinophilen Keratitis. Dabei kommt es zu weißlich-rosafarbenen Belägen an den Rändern der Hornhaut. Auffällig ist auch die „Einsprossung“ also das Sichtbarwerden von Blutgefäßen.


Wir haben das richtige Futter für Ihre Samtpfote


Die Uveitis

Vielleicht hat Ihr Tierarzt diesen Begriff schon einmal gebraucht? Gemeint ist immer eine Entzündung im Augeninneren. Sie steht in der Regel nicht für sich allein, sondern ist eine Begleiterscheinung von anderen Erkrankungen. Sie kommt etwa vor in Zusammenhang mit den gefürchteten Viruserkrankungen Felines Immundefizienz Virus (FIV) und Feline Infektiöse Peritonitis (FIP), hier besonders bei der „trockenen“ Form. Auch bei der Toxoplasmose kann sie ein Symptom sein. Ist nur das vordere Auge betroffen, etwa die Iris, nennt man das „Uveitis anterior“. Ist das gesamte Auge befallen, spricht man von „Uveitis posterior“. Die Symptome sind nicht sehr spezifisch. Dazu zählen die Rötung des Auges, Lichtempfindlichkeit, eine verengte Pupille.

 


Wie können Sie der Katze Augentropfen geben?

Leider müssen alle Arten von Auffälligkeiten am Auge auch dort behandelt werden. Mit anderen Worten: An Tropfen oder Salbe führt meist kein Weg vorbei und das mehrmals täglich. Das ist die hohe Schule für alle Katzenmenschen und schon mehr als ein Zweibeiner hat kapituliert. Denn die Vierbeinerin weiß eines ganz genau: Sie will das auf keinen Fall dulden und das zeigt sie auch mehr als deutlich. Was tun? Ihre erste Katzenhalterpflicht ist es, Ruhe zu bewahren. Ihre Mieze merkt genau, dass Sie finstere Pläne hegen. Bleiben Sie also cool – aber nehmen Tropfen oder Salbe rechtzeitig aus dem Kühlschrank, damit der Kontakt mit dem Auge weniger unangenehm wird.

Setzen Sie Ihr Tier auf einen Tisch, streicheln Sie unter dem Kinn und nehmen Sie die Katze so in einen Arm, dass die Pfoten und der Kopf nicht weggezogen werden können. Ziehen Sie mit der Hand das Unterlid etwas herunter und tropfen ebenso schnell wie entschlossen mit der anderen die Flüssigkeit oder Salbe in den Bindehautsack. Strampelt ihre Katze wie wild, kann eventuell ein Handtuch zum Einwickeln helfen oder ein netter Zweibeiner, der Ihnen zur Hand geht. Manche Miezen lassen sich überzeugen, wenn es direkt im Anschluss ein Leckerchen gibt.

Sie können es auch mit einer speziellen Untersuchungstasche probieren. Die ist so mit Reißverschlüssen ausgestattet, dass sie je nach Untersuchung an bestimmten Stellen geöffnet werden kann. Zum Beispiel bleibt der Kopf frei, während die Pfoten eingeschlossen sind. Wenn so gar nichts geht und die Samtpfote jedes Mal zur Tigerin wird, hilft im Zweifel nur der stationäre Aufenthalt beim Tierarzt oder einer Klinik. Das ist nicht schön, aber rettet im Zweifel das Augenlicht.   


Fazit

Bei der Vielzahl der möglichen Augenerkrankungen kann nur der Tierarzt über die richtige Behandlung entscheiden. Zögern Sie nicht, ihn aufzusuchen.