Jacobskreuzkraut, Adonisröschen, Eibe, Sumpfschachtelhalm: Giftpflanzen sind der Alptraum eines jeden Pferdebesitzers! Nimmt das Pferd Giftpflanzen zu sich, kann das schwere Symptome nach sich ziehen – schlimmstenfalls bis zum Tod. Doch welche Pflanzen sind eigentlich giftig für Pferde? Wie erkenne ich eine Vergiftung beim Pferd? Und was kann ich bei einer Vergiftung tun? In unserem Ratgeber zu Giftpflanzen im Wald, auf dem Feld und auf der Pferdeweide erfahren Sie es. Wir zeigen Ihnen die wichtigsten und gefährlichsten Giftpflanzen für Pferde in der Übersicht und verraten Ihnen, warum selbst Weidegras für Pferde manchmal gefährlich werden kann.


Giftpflanzen auf der Pferdeweide, im Wald und am Wegesrand – warum Pferde sie fressen

So schön Ihr Anblick auch sein mag – für Pferde sind die Folgen oft fatal, wenn sie Giftpflanzen fressen. Weit über hundert für Pferde schädliche Pflanzen gibt es hierzulande. Und sie lauern überall: Bäume im Wald, Blumen am Wegesrand, Gräser auf der Koppel – viele davon sind für Pferde ausgesprochen giftig! Welche Pflanzen für Pferde giftig sind, erfahren Sie in unserer Übersicht der Giftpflanzen für Pferde mit Bildern weiter unten im Text.

Zunächst wollen wir aber folgender Frage nachgehen: Warum fressen Pferde überhaupt Giftpflanzen? Sollten sie als Pflanzenfresser nicht wissen, was schädlich für sie ist und was nicht? Die Antwort lautet: In der Regel tun sie das auch. Untersuchungen haben gezeigt, dass bereits Fohlen von ihrer Mutter lernen, welche Gewächse sie fressen dürfen und welche sie lieber stehen lassen sollten. Außerdem senden giftige Pflanzen Warnsignale aus – mit bitterem Geschmack oder einem typischen Geruch halten sie Pferde in der Regel davon ab, dass diese Giftpflanzen fressen.

Giftpflanzen „warnen“ Pferde, damit diese sie nicht fressen.

In der Regel halten sich Pferde also von Giftpflanzen fern. Leider kommt es immer wieder zu Ausnahmen von dieser Regel. Ist dem Pferd langweilig, steht  kein schmackhaftes Grün zur Verfügung oder rupfen Sie im Vorbeigehen, zum Beispiel beim Ausritt, an Gewächsen am Wegesrand, kann es dazu kommen, dass Pferde Giftpflanzen fressen. Und Studien zufolge gibt es auch Unterschiede bei einzelnen Pferden: Solche Pferde, die lange Zeit mit ihrer Mutterstute auf einer artenreichen Wiese gehalten wurden, kennen sich demzufolge besser mit Giftpflanzen aus. Ihre Artgenossen, die als Fohlen viel im Stall gehalten wurden und früh von ihrer Mutter getrennt wurden, können dies deutlich schlechter. Auch in Fällen, wo die Pflanze getrocknet vorliegt, wie im Heu, kann es dazu kommen, dass die „Warnsignale“ der giftigen Pflanze vom Pferd nicht mehr wahrgenommen werden können.

Aus diesen Gründen kommt es immer wieder zu Vergiftungen beim Pferd mit teilweise schweren Symptomen. Einige der am weit verbreitetsten Giftpflanzen auf der Pferdeweide, im Wald und am Wegesrand zeigen wir Ihnen in der folgenden Tabelle:


Was Pferde nicht fressen dürfen: Übersicht der Giftpflanzen für Pferde

Stark giftig! Achtung! Bei diesen Giftpflanzen kann es tödlich ausgehen:

Giftpflanze

Giftige Dosis

Wolfsmilch

2 – 3kg tödlich

Robinie

150g Rinde tödlich

Thuja (Lebensbaum)

Ab 500g tödlich

Buchsbaum

Ab 700g Blätter tödlich

Eibe

100 – 150g tödlich

Eiche

ab 500g Todesfolge möglich

Eisenhut

100 – 200g tödlich

Fingerhut

Ab 100 g frische/25g trockene Blätter tödlich

Goldregen

500g Rinde tödlich

Herbstzeitlose

Ab 50g tödlich

Gundelrebe/Gundermann

Tödlich bei großen Mengen

Kirschlorbeer

1000g Blätter tödlich

Tollkirsche

300g Blätter tödlich

Jacobskreuzkraut

40 – 80g/Kilo Körpergewicht tödlich

Fingerhut
Der Fingerhut ist überaus giftig für Pferde!
                                          

Weitere gefährliche Giftpflanzen, die Pferde nicht fressen dürfen:

  • Bergahorn
  • Graukresse
  • Rhododendron
  • Sumpfschachtelhalm
  • Maiglöckchen
  • Adonisröschen
  • Johanniskraut


Was tun bei einer Vergiftung des Pferdes?

Besteht der Verdacht, dass das Pferd bedenkliche Mengen von Giftpflanzen gefressen haben könnte oder zeigen sich sogar erste Symptome, ist Eile geboten: Rufen Sie sofort den Tierarzt an! Entfernen Sie das Pferd von der Stelle, wo es die Giftpflanzen gefressen hat und stellen Sie ihm ausreichend Wasser zur Verfügung. Sammeln Sie alle Teile (Blüten, Blätter, Wurzeln, Früchte) der giftigen Pflanze ein, damit der Tierarzt diese schneller zuordnen kann. Wenn Sie dem Tierarzt sagen können, wann und wie viel das Pferd von der giftigen Pflanze gefressen hat und auch welche Pflanzenteile es waren, können Sie einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass das Pferd schnell Hilfe bekommt.

 

Vergiftung durch Pflanzen beim Pferd – Was Sie selbst tun können

So vielfältig die Welt der Giftpflanzen auf Wiesen, Wald und Flur, so vielfältig sind auch die Symptome einer Vergiftung beim Pferd, wenn es giftige Pflanzen gefressen hat. Zu den klassischen Symptomen gehören:

  • Durchfall
  • Apathie
  • Hautreizungen
  • Kreislaufprobleme
  • Verstopfung
  • Krampfkoliken
  • Nervosität, Unruhe
  • Lähmungen

Frage an unsere Futterexperten Wenn ein Pferd Schlacke eingelagert hat, wie kann ich beim Füttern auf den Stoffwechsel eingehen? ► Den Begriff „Schlacke“ gibt es aus wissenschaftlicher Sicht nicht. Ein Organismus lagert keine Giftstoffe ein, sondern verstoffwechselt sie oder scheidet sie direkt wieder aus. Grundsätzlich sollte man darauf achten, dass der Stoffwechsel nicht zusätzlich belastet wird, wie durch etwa Giftpflanzen, schimmelbelastete Heuqualitäten, aber auch Konservierungs- oder Aromastoffe im Futter.


Die Anzeichen für eine Vergiftung des Pferdes sind unterschiedlich.

Giftpflanzen als Ursache von Krankheiten?

Neben den oben genannten Symptomen gibt es Krankheiten beim Pferd, die mittlerweile mit Vergiftungen durch Pflanzen in Verbindung gebracht werden. Graukresse und Robinie können zum Beispiel Hufrehe beim Pferd auslösen. Johanniskraut kann zu einer erhöhten Lichtempfindlichkeit und Hautreizungen führen. Ahorntriebe und Wurzeln gelten als Auslöser der atypischen Weidemyopathie. Taumeln und Nervenstörungen können auftreten, wenn das Pferd Sumpfschachtelhalm oder Adlerfarn gefressen hat. Efeu führt zu erhöhtem Speicheln. Und große Mengen Klee, der eigentlich keine Giftpflanze ist, gelten zum Beispiel als häufige Ursache für angelaufene Beine.

Bei diesen genannten Störungen oder Krankheitsbildern sollte immer eine Vergiftung mit den entsprechenden Pflanzen ausgeschlossen werden!

Ganz schön giftig – Jacobskreuzkraut ist weit verbreitet.


Gelbes Gift auf der Pferdeweide: JKK – Jakobskreuzkraut

Jacobskreuzkraut ist mittlerweile weit verbreitet und macht auch vor der Pferdeweide und Wiese nicht Halt. Jakobskreuzkraut ist auch als Jakobs-Geiskraut, Spinnenkraut oder Krötenkraut bekannt. 25 verschiedene Kreuzkräuter gibt es in Deutschland – und alle davon sind für Pferde giftig! Jacobskreuzkraut vermehrt sich äußerst schnell und lässt sich glücklicherweise gut von anderen Pflanzen unterscheiden. Es ist sehr wichtig, dass Sie das Jacobskreuzkraut von der Koppel entfernen, da es für Pferde sehr gefährlich werden kann! Schon 40 bis 80 Gramm JKK pro Kilo Körpergewicht des Pferdes können tödlich sein! Forscher gehen sogar davon aus, dass schon wesentlich geringere Mengen der gefährlichen Giftpflanze todbringend sein können.

Besonders gemein: Der Giftstoff des Jacobskreuzkraut wirkt auch im Heu! Und in diesem Fall besitzt das Kreuzkraut keine Bitterstoffe mehr, die das Pferd davor warnen könnten, die giftige Pflanze zu fressen.

Achtung! Jacobskreuzkraut im Raufutter ist eine ernstzunehmende Gefahr!

Vergiftung mit Jacobskreuzkraut – Die Symptome

Hat das Pferd auf der Weide oder mit dem Heu Jacobskreuzkraut gefressen, können folgende Symptome auftreten:

  • Hautrötungen
  • Gewichtsverlust
  • Koliken
  • Fester Kot
  • Konditionsverlust
  • Apathie

Das Gift im JKK schädigt die Leber und  kann im schlimmsten Fall sogar zu Leberversagen führen. Außerdem wird der Giftpflanze nachgesagt, dass sie das zentrale Nervensystem angreifen, das Erbgut verändern und sogar Embryonen schädigen kann.

Vorsicht! Auch für Menschen ist Jacobskreuzkraut giftig!

Es gibt Gräser, die für Pferde giftig sein können.


Gift im Weidegras – Gefährliche Unbekannte auf der Wiese

Während das Jacobskreuzkraut nahezu der „Promi“ unter den Giftpflanzen für Pferde ist, gibt es auf der Pferdeweide und der Wiese weniger populäre, ebenfalls gefährliche giftige Pflanzen. Und während Eibe, Sumpfschachtelhalm, Fingerhut und Co. leicht auszumachen sind, vermutet man im seltensten Fall ausgerechnet Gras als Übeltäter, wenn es um Vergiftungssymptome der Tiere geht. Tatsächlich gibt es giftiges Gras! Und zwar dann, wenn Gräser und Pilze auf der Weide eine Symbiose eingehen.  Die Gräser schützen sich in diesem Falle vor Überweidung, Parasiten oder im Falle von Trockenheit mit den giftigen Stoffwechselprodukten der Pilze. Diese Toxine schützen zwar die Gräser, können bei Pferden und anderen Weidetieren allerdings zu Vergiftungssymptomen führen. Besonders am Ende der Weidezeit, wenn die Wiesen abgegrast sind, ist erhöhte Vorsicht in Bezug auf giftige Gräser geboten.

Die Weidegras-Taumelkrankheit („Ryegrass Staggers“), das Schwingelödem und weitere bei Weidetieren durch giftiges Gras ausgelöste Krankheiten, sind hierzulande eher unbekannt. Muskelzittern, angelaufene Beine, schlechte Leberwerte, unerklärliche Koliken, Schwellungen am Körper und Entzündungen der Haut  sowie weitere Vergiftungssymptome, ohne dass sich eine der berühmt-berüchtigten Giftpflanzen in der Nähe des Pferdes befindet, können jedoch einen Hinweis darauf geben, dass sich gefährliche Toxine im Gras gebildet haben. Die Biologin Renate Vanselow aus Schleswig-Holstein setzt sich seit vielen Jahren mit giftigen Gräsern auf Weiden auseinander. Laut ihr können nur ein rechtzeitiges Beenden der Weidesaison und Erholungspausen für die Wiese dafür sorgen, dass die Gefahr des Gifts im Gras minimiert wird.

Herbstzeitlose
Klein und fast ein wenig unscheinbar - aber sehr giftig: die Herbstzeitlose.


Fazit

Giftpflanzen für Pferde lauern überall – weit über hundert Pflanzen sind giftig und sollten von Pferden nicht gefressen werden. Meist kommt es nicht dazu, da die Pflanzen in der Regel durch ihren Geschmack oder Geruch Warnsignale abgeben. Ist es aber doch dazu gekommen, dass das Pferd eine Giftpflanze gefressen hat, ist schnelles Handeln notwendig! Im Falle von schweren Symptomen kann nur der Tierarzt helfen! Vergiftungssymptome sind nicht immer eindeutig – manche giftigen Pflanzen können sogar Krankheitssymptome hervorrufen, die man kaum mit ihnen in Verbindung gebracht hätte! Deswegen ist es sinnvoll, sich die häufigsten Giftpflanzen für Pferde einzuprägen. Und sie möglichst von der Pferdeweide oder der Wiese zu entfernen.