Sie gelten als temperamentvolle Tempomacher. Auf den Rennbahnen dieser Welt beeindrucken sie mit Spitzengeschwindigkeiten und wechseln manchmal für mehrere Millionen Euro den Besitzer. Die sensiblen Pferde werden für Zucht und Sport eingesetzt und haben auch im Freizeitbereich viele Fans. Doch was ist ein Vollblut Pferd überhaupt? Welche Pferderassen werden zum Vollblut gezählt? Und ist das teuerste Pferd der Welt tatsächlich ein Vollblüter? Wissenswertes über das Vollblut Pferd verraten wir Ihnen in diesem Ratgeber.


Was ist ein Vollblut Pferd?

Als Vollblut werden Pferderassen bezeichnet, die von arabischen Pferden abstammen. Das „Vollblut“ ist eine Beschreibung, die nicht über eine anatomische Begebenheit Aufschluss gibt, sondern deutet auf die Zuchtlinie hin.

Denn nur wer besagte arabische Vorfahren hat, darf sich Vollblut nennen. Je nach Rasse, müssen außerdem noch weitere Kriterien erfüllt sein, damit der Vollblüter auch so genannt werden darf.

Vollblut Pferde sind zierlicher als ihre Pferdekollegen, die der Gruppe Warmblut oder Kaltblut angehören, sensibler im Wesen und vor allem: schnell. Viele dieser Pferde sind im Rennsport beheimatet. Die bisher schnellste gemessene Geschwindigkeit eines Rennpferdes liegt bei rasanten 70,76 km/h!

Sie haben eine hervorragende Ausdauer und werden daher auch als Distanzpferde eingesetzt.

Wenn es auch verschiedene Rassen unter den Vollblut Pferden gibt, haben die meisten von ihnen eine „windschnittige“ schlanke Figur, große, ausdrucksstarke Augen und einen schmalen, etwas kleineren Kopf. Ein Merkmal des Vollblutaraber ist häufig auch ein sogenannter Hechtkopf: eine nach innen gewölbte Stirnpartie ist eine anatomische Besonderheit, die oft bei Tieren dieser Rasse vorkommt.

Je nachdem, ob es sich um ein Englisches Vollblut oder einen Vollblutaraber handelt, variiert die Größe der Tiere im Schnitt zwischen 1,50 und 1,70 Metern.

So hübsch und schnell sie sind, so anspruchsvoll sind sie auch. Ihr Charakter ist nichts für Reitanfänger. Denn Vollblüter gelten als hochsensible Tiere, die unter Stress schon mal nervös werden können. Sie reagieren sehr empfänglich auf Reize und gelten vielerorts als „heißer Ofen“. Im Sport und im Freizeitbereich haben sie dennoch viele Fans. Denn neben ihrer Geschwindigkeit und Feinfühligkeit sagt man den blütigen Vierbeinern auch eine hohe Intelligenz und Leistungsbereitschaft nach. Für Distanzritte, in der Vielseitigkeit oder als sportliches Freizeitpferd sind Vollblut Pferde gut geeignet, so man denn genügend Erfahrung für die sensiblen Tiere mitbringt.

Brauner Hengst der Rasse Araber
Temperamentvoller Charakter, edler Vererber: Viele Pferde stammen vom Araber ab.


Eine lange Tradition – Die Geschichte des Vollbluts

Der Vollblutaraber ist eine Pferderasse, aus der die meisten Vollblutrassen über die Jahre hervorgingen. Und seine Geschichte geht weit zurück: Seit dem 7. Jahrhundert werden auf der Arabischen Halbinsel Vollblüter gezüchtet. Das Arabische Pferd gilt damit als die älteste Haustier-Zuchtrasse der Welt.

Im 19. Jahrhundert hatte es sich auch in Europa herumgesprochen, dass auf der Arabischen Halbinsel so beeindruckend schnelle und schöne Tiere gezüchtet werden. Die europäischen Fürstenhäuser sollen daraufhin kostspielige Expeditionen in die Zuchtgebiete des Arabischen Vollbluts unternommen haben, um sich einige Exemplare für die heimische Zucht zu sichern. Die Pferde in Europa waren bis dato meist als Arbeitstiere eingesetzt worden und waren von entsprechend schwerer Statur. Mit dem Vollblutaraber wollten damalige Züchter die heimischen Pferderassen „veredeln“. Sie versprachen sich davon mehr Eleganz, Wendigkeit und Schnelligkeit ihrer Tiere.

Auch das Englische Vollblut hat Vorfahren aus Arabien: Schon im Jahr 1704 soll ein englischer Kaufmann den Hengst Darley Arabian nach England exportiert und zur Zucht eingesetzt haben. Seine Nachkommen beeindruckten durch eine enorme Rennleistung. Entsprechend gefragt war Darley Arabian als Deckhengst, ebenso seine männlichen Nachkommen. Nach einer Studie gehen heute 95% aller Englischen Vollblüter allein in der väterlichen Linie auf diesen Vollblutaraberhengst zurück.

Rennpferde mit Jockeys auf der Bahn
Tempomacher: Das Englische Vollblut hat auf der Bahn die Nase vorn.

Frage an unsere Futterexperten Auf was muss man bei der Fütterung bei Vollblütern achten? ► Man sollte wie bei allen Pferden auf die Fütterung von hochwertigen Futtermitteln, wie Heu, Stroh, Kraftfutter achten. Wenn der Vollblüter im Rennsport aktiv ist, sollten muskelrelevante und leistungsoptimierende Nährstoffe ergänzt werden.

 


Welche Vollblut Pferderassen gibt es?

Spricht man vom „Vollblüter“ sind damit meist die Rassen Arabisches Vollblut, Englisches Vollblut und Anglo-Araber gemeint. Der Anglo-Araber ist eine Kreuzung aus Englischem Vollblut und Araber. Dazu kommen auch noch die sogenannten „vollblutähnlichen Rassen“: Diese Bezeichnung gilt für Pferde, die über Jahrhunderte oder Jahrtausende von Nomadenstämmen im Orient gezüchtet wurden und, neben dem Vollblutaraber, ebenfalls zur Veredlung eingesetzt wurden, um daraus in Europa, insbesondere in England, pfeilschnelle Rennpferde zu züchten. Zu ihnen gehören Achal Tekkiner, Berber und Turkmenen.


Englisches Vollblut ist das teuerste Pferd der Welt

Aufgrund ihrer Schnelligkeit und ihrer Ausdauer sind Vollblut Pferde im Sport stark gefragt. Bei Pferderennen legen sie nicht nur Spitzengeschwindigkeiten an den Tag – sie fahren auch hohe Gewinne ein. So ist es nicht verwunderlich, dass unter den teuersten Pferden der Welt Englische Vollblüter, die den Großteil der Rennpferde ausmachen, auf den Spitzenplätzen rangieren. Auf Platz Eins steht dort offiziell momentan Fusaichi Pegasus. Sein einstiger Besitzer, der japanische Geschäftsmann Fusao Sekiguchi, soll den Hengst als Jährling für einen Preis von vier Millionen Dollar gekauft haben. Im Jahr 2000 gewann Fusaichi Pegasus das Kentucky Derby und wurde daraufhin als Zuchthengst an ein irisches Gestüt für sagenhafte 64 Millionen Dollar verkauft! Einige Quellen gehen sogar von einem noch höheren Preis aus. Wenngleich sich die Käufer und Verkäufer bei solch hohen Summen meist damit zurückhalten, allzu konkrete Zahlen zu nennen, ist davon auszugehen, dass viele erfolgreiche Vollblut Pferde hoch gehandelt werden. Immer wieder dringen beeindruckende Beträge beim Kauf und Verkauf von hochdotierten Rennpferden an die Öffentlichkeit. Und dass Englische Vollblüter und das Arabische Vollblut neben dem Amerikanischen Quarterhorse als kostspieligste Pferderassen in der Anschaffung gelten, ist kein Geheimnis. Nicht nur ihr Erfolg im Sport spielt beim Preis eine Rolle – auch die Abstammung hat einen maßgeblichen Einfluss darauf, wie sich der Preis eines Vollblut Pferdes gestaltet.

Araber Stute mit Fohlen im Galopp
Ausdauer und Schnelligkeit sind das Markenzeichen des Arabers.


Ox, xx, x – Was Buchstaben über die Abstammung verraten

Wer in die Papiere eines Pferdes oder Ponys schaut, wird unter dessen Vorfahren auf ein zunächst seltsam anmutendes Phänomen stoßen: Oft tauchen dort hinter dem Namen eines Ahnen Buchstabenkürzel auf: ox, xx oder x. Diese „Codes“ verraten, dass hier ein sogenannter „Veredler“ eingesetzt wurde – das bedeutet, der Züchter hat in der Zuchtlinie ein Vollblut eingekreuzt. Dabei stehen die Bezeichnungen für folgende Pferderassen:

  • xx: Englisches Vollblut
  • ox: Arabisches Vollblut
  • x: Anglo-Araber.

Da viele Pferde und Ponys Vollblüter unter ihren Vorfahren haben, tauchen diese Buchstaben im Stammbaum häufig auf.

Und wenn sich die sonst tiefenentspannten Nachfahren mal von ihrer temperamentvollen Seite zeigen, vermuten Pferdebesitzer oft den „hitzköpfigen Vorfahren“ als Auslöser. Denn schließlich gelten die sensiblen hoch im Blut stehenden Pferde als äußerst lebendig und zuweilen schwer zu händeln. Als Tiere, die dafür gezüchtet werden, lange Distanzen durch die Wüste oder schnelle Sprints auf der Bahn hinzulegen, tun Vollblüter im Zweifelsfalle nämlich das, was sie am besten können: Rennen. Je höher ein „Pferd im Blut steht“, also je mehr x, ox oder xx es im Stammbaum hat, desto mehr Temperament wird ihm nachgesagt. Wobei es auch Besitzer vollblütiger Pferde gibt, die sich über eine große Gelassenheit bei ihren Tieren erfreuen. Denn die Erziehung und die Haltungsform haben natürlich auch einen Einfluss auf das Wesen des Pferdes.

Braune Stute der Rasse englisches Vollblut
Rank und schlank: Manche Vollblutrassen nehmen schwer zu.


Spargeltarzan – Warum Vollblut Pferde oft nicht zunehmen

Im Unterschied zum Kaltblut oder Warmblut (hier bitte jeweils Links zu den Artikeln über die beiden Gruppen) setzen Vollblutrassen deutlich weniger Speck an. Sie gelten als schwerfuttrig und ihre Besitzer sind häufig besorgt, wenn ihre Pferde nicht zunehmen. Experten empfehlen bei Vollblut Pferden, die in Arbeit stehen oft, Heu zur freien Verfügung zu stellen. Arbeiten die Pferde hart, müssen sie außerdem höhere Kraftfuttermengen bekommen, als ihre leichtfuttrigen Warmblüter-Kollegen.

Der Energieumsatz von Vollblut Pferden ist höher, da die Tiere mehr Sauerstoff im Blut aufnehmen können. Bei Rennen ist das ein großer Vorteil, in der Fütterung bedeutet dies aber, dass ein Vollblut seinen Erhaltungsbedarf eventuell nicht allein über das Raufutter decken kann. Je nach Leistung des Pferdes, ist deshalb die Anpassung der Kraftfutterration an die besonderen Anforderungen des Vollbluts nötig. Aufgrund des hohen Stärkegehalts ist eine reine Getreidefütterung, ergänzend zum Raufutter, nicht unbedingt die erste Wahl. Getreidefreie Müslis oder die Zufütterung von Ölen können bei Vollblütern, die als Freizeitpferd im Einsatz sind, den Speiseplan ergänzen. Dies hängt aber immer von den individuellen Bedürfnissen des jeweiligen Pferdes ab. Sprechen Sie bei Fragen zur Fütterung Ihres Vollblut Pferdes bei Bedarf unsere Experten an, die Ihnen für eine kostenfreie Fütterungsberatung gern zur Verfügung stehen.

 

Unsere Futterempfehlung für Ihren Vollblüter:


Fazit

Vom Haflinger bis zum Warmblüter – viele Pferde haben mindestens ein Vollblut als Vorfahre. Vollblüter gelten als die schnellsten Pferde der Welt und sind auf Rennbahnen rund um den Globus zahlreich vertreten. Doch auch im Freizeitbereich und in der Vielseitigkeit sind die ausdauernden, eleganten Vollblut Pferde sehr beliebt. Aufgrund ihres feinfühligen Charakters gelten Vollblüter als schwer zu händeln – im Umgang mit ihnen ist Sensibilität und Erfahrung gefragt.