Die Hinterlassenschaften unserer Pferde erhalten selten Aufmerksamkeit. Verständlicherweise, gibt es rund ums Pferd doch viele schönere Themen als seine Äpfel. Dabei lohnt es sich durchaus, genauer hinzusehen. Denn die Beschaffenheit seiner Ausscheidungen sagt eine Menge über die Gesundheit des Vierbeiners aus. Spätestens bei Durchfall beim Pferd ist ein Wegsehen nicht mehr möglich – verrät der aus der Form geratene Kot doch, dass die Verdauung des Tieres aus der Balance geraten ist. Bevor wir hier – bitte nicht wörtlich nehmen – in die Tiefe gehen, zunächst einige interessante Fakten rund um die runden Pferdeäpfel:

Pferd riecht an Pferdeäppeln
Pferdeäpfel enthalten nicht nur für Zweibeiner interessante Informationen!



Interessantes Wissen zum Thema Pferdeäpfel

  • Ein Pferd produziert bis zu 9 Tonnen Kot pro Jahr
  • ¾ eines Pferdeapfels sind Wasser
  • Die Verwandlung der Nahrung bis zum Pferdeapfel dauert 48 Stunden
  • Die Farbe hängt von der Art des Futters ab
  • Je mehr Rohfaser auf dem Speiseplan, desto größer die Menge der Pferdeäpfel
  • Plötzliche Futterumstellung, Bakterien oder Magengeschwüre können einen unangenehmen Geruch verursachen
  • Frische aber trockene, harte Pferdeäpfel können Flüssigkeitsmangel anzeigen
  • Unverdaute Körner oder Stängel im Kot können darauf hinweisen, dass das Pferd nicht richtig kaut.
  • Pferde „lesen“ aus dem Geruchs des Kots ihrer Artgenossen das Geschlecht und die Ranghöhe und wissen, wem die Hinterlassenschaft zuzuordnen ist.


Wenn die Äpfel aus der Form geraten – Durchfall beim Pferd

Pferde äpfeln alle 30 bis 120 Minuten am Tag – dabei können (bei Kaltblütern) bis zu 50kg zusammenkommen! Wohlgeformte Pferdeäpfel lassen dabei meist auf eine gute Gesundheit des Verdauungssystems schließen. Von Durchfall spricht man, wenn die Konsistenz des Kots weicher als normal erscheint– von „wässrig“ bis „Kuhfladen“.

Er kann als eine vorübergehende Irritation des Verdauungstraktes auftreten und mild verlaufen oder auch schwerwiegende Probleme aufzeigen – je nach Dauer und Art des Durchfalls besteht dann akuter Handlungsbedarf.

Die Ursachen für Durchfall bei Pferden sind vielfältig:

  • Futterumstellung
  • Verdorbene Futtermittel
  • Falsche Fütterung
  • Infektionen (Parasiten, Bakterien, Viren)
  • Erkrankungen der inneren Organe
  • Stress
  • Aufnahme von Giftstoffen
  • Unverträglichkeit von Medikamenten
  • Kolik
  • Magengeschwür


Kotwasser oder Durchfall? Der Unterschied Da sich Durchfall und Kotwasser in ihrer Behandlung unterscheiden, sollten Sie zunächst den Unterschied zwischen beiden kennen: Bei Kotwasser haben die Pferdeäpfel selbst ihre normale Konsistenz, nach dem Äppeln wird das flüssige Kotwasser ausgeschieden. Bei Durchfall verliert der Kot selbst seine Form. Er kann plötzlich und stark auftreten oder auch mild ausfallen und sich über eine längere Zeitspanne erstrecken.


Durchfall bei Futterumstellung

Das Verdauungssystem der Pferde ist ausgesprochen komplex. In ihm sind diverse Bakterien beheimatet, die sich auf die Verarbeitung von gewissen Stoffen spezialisiert haben. Bei einer Futterumstellung, zum Beispiel mit Eröffnung der Weidesaison im Frühjahr, muss sich die Darmflora der Pferde ebenfalls umstellen. Dafür benötigt sie Zeit. Aus diesem Grund wird langsames Anweiden empfohlen.

Beim Übergang zur Weidesaison kann Durchfall beim Pferd auftreten, zu viel Gras, aber auch Silage kann ebenfalls dafür sorgen, dass die Äpfel ihre Form verlieren.

Hat das Pferd, trotz langsamer Gewöhnung an das frische Gras, Durchfall nach dem Weidegang und zeigt sich nach den ersten Tagen auf der Weide keine Besserung, kann hier die Art des Grases für Verdauungsprobleme sorgen: Viele der heute auf Weiden eingesetzten Gräser sind arm an Rohfaser und reich an Energie, ausgelegt für die Milchsteigerung bei Kühen. Der Verdauungsapparat des Pferdes ist allerdings noch auf die Zeit eingestellt, als Pferde in der Steppe heimisch waren. Und reagiert auf die energie- und zuckerreichen Gräser heutiger Weiden mit Durchfall, Blähungen oder Kotwasser.


Was hilft gegen Durchfall zur Weidezeit?

 

  • Langsam Anweiden
    Wenn sich die Weidesaison nähert, sollten Sie rechtzeitig mit dem Anweiden beginnen und die Intervalle minutenweise steigern. So kann sich der Organismus von Winter- auf Sommerfutter umstellen. Nicht nur beim Anweiden ist Geduld Trumpf: Wenn Sie eine Umstellung des Futters planen, geben Sie dem Verdauungstrakt des Pferdes genügend Zeit dafür, sich der neuen Herausforderung anzupassen und vermeiden Sie plötzliche Umstellungen.

  • Heu und Stroh füttern
    Verträgt Ihr Pferd das energiereiche Weidegras nicht, sollten Sie Heu und Stroh füttern, um seine Rohfaserversorgung sicher zu stellen. Mehr Struktur im Futter kann dabei helfen, die Pferdeäpfel wieder in Form zu bringen. Heu zur freien Verfügbarkeit während des Weideganges und eine Fütterung mit Heu vor dem Weidegang bieten eine strukturreiche Alternative zum saftigen Gras und sorgen dafür, dass das Pferd sich nicht hungrig über das Gras hermacht – um dann eventuell zu viel davon aufzunehmen.

  • Saatgut der Weide wechseln
    Sind Sie Inhaber einer Weide oder lässt der Inhaber einer solchen mit sich reden, können Sie auf Saatgut umstellen, das auf den Bedarf von Pferden abgestimmt und nicht auf Milchsteigerung bei Kühen ausgelegt ist.


Durchfall bei verdorbenem Futter, Giftstoffen oder falscher Fütterung

Auch verdorbenes Futter, zu hohe Mengen an Kohlehydraten im Futter, Giftstoffe oder Giftpflanzen, können Durchfall beim Pferd verursachen. Pilze, Bakterien oder Milben im Futter bringen das Verdauungssystem aus der Balance. Auch Silage führt bei empfindlichen Pferden häufig zur Veränderung der Konsistenz des Kots.

 

 

 

Gleiches gilt für hohe Getreidemengen in der Futterration: Einige Pferde reagieren empfindlich auf große Stärkemengen, was sich dann zum Beispiel in Durchfällen äußern kann. Hochwertiges Raufutter, vor allem Heu, kann dabei helfen, das aus dem Gleichgewicht geratene Verdauungssystem wieder einzupegeln.


Bakterien, Viren und Parasiten als Auslöser von Durchfall beim Pferd

Infektionen, wie beispielsweise Salmonellen, können ursächlich dafür sein, wenn sich der Pferdekot plötzlich verflüssigt. Auch Parasiten sind ein häufiger Grund für Durchfall, daher ist eine regelmäßige Entwurmung und Kontrolle des Pferdebestandes auf Parasiten wichtig, um Schäden am Organismus durch ungebetene Gäste im Pferdekörper abzuwehren.


Ursache Stress bei Pferdedurchfall?

Veränderungen in der Herde, Transport im Anhänger oder Verlust eine geliebten Weidekumpels? Stallwechsel, Turnier, ungünstige Haltungsbedingungen oder Krankheit? Pferde sind Gewohnheitstiere und Veränderungen können Stress auslösen und ihnen auf die Verdauung schlagen. Daher ist Stress eine häufige Ursache von Durchfall. Sollte sich die Konsistenz des Kots Ihres Vierbeiners ändern, kann es hilfreich sein, wenn Sie mögliche Stressoren ausfindig machen.

Eine Tierärztin streichelt behutsam über den Kopf eines Pferdes und signalisiert somit Vertrauen
Alarm im Darm? Der Tierarzt hilft dabei, die Ursache zu finden


Durchfall beim Pferd behandeln

Manchmal kommt der Durchfall so schnell wie er gekommen ist. Geraten die Äpfel nur vorübergehend aus der Form und zeigt sich Ihr Pferd ansonsten gesund und munter, besteht kein Grund zur Sorge. Nach ein bis zwei Tagen kann die kleine Unregelmäßigkeit schon wieder vergessen sein. Ganz anders gestaltet sich die Lage bei schwerem Durchfall, manchmal mit Begleiterscheinungen wie Fieber, Appetitlosigkeit, Apathie oder Schmerzen – hier ist schnelles Handeln gefragt, denn womöglich zeigt sich hier eine ernsthafte Erkrankung, eine Infektion oder Vergiftung. Außerdem besteht durch den Flüssigkeitsverlust die Gefahr der Dehydration des Pferdes – deswegen sollten Sie möglichst früh den Tierarzt konsultieren, der die Ursache innerhalb einer Untersuchung ausfindig machen und behandeln kann. Je nach Grund für die Durchfallerkrankung, wird er eine Therapie in die Wege leiten, die Ihren Vierbeiner möglichst bald wieder auf Trab bringt – und die Äpfel wieder in Form.


Hausmittel bei Durchfall – sinnvoll oder nicht?

Bei Hausmitteln gegen Durchfall beim Pferd gilt zunächst der gleiche Grundsatz wie bei allen anderen Krankheiten auch: Nur das Symptom zu bekämpfen ist wenig zielführend. Erst wenn die Ursache gefunden ist, kann das Problem nachhaltig aus der Welt geschafft werden. Und wenn es sich um mehr als ein kleines, vorübergehendes „Wehwechen“ handelt, ist der Tierarzt Ansprechpartner Nummer 1. Das gilt auch bei Durchfällen beim Pferd, insbesondere starken Durchfällen oder solchen, die zusammen mit Fieber, Appetitlosigkeit und anderen Begleiterscheinungen auftreten. Auch den Einsatz von Hausmitteln sollten Sie immer mit Ihrem Tierarzt abklären! So wird zum Beispiel bei Durchfall in manchen Fällen empfohlen, Joghurt zuzufüttern. Die positive Wirkung ist allerdings nicht wissenschaftlich belegt und zudem umstritten – Joghurt steht andererseits auch unter Verdacht, Durchfälle auszulösen. Bierhefe, Flohsamen und Leinsamen gelten, in richtiger Dosierung, dagegen als verträglicher und können, je nach Stärke und Ursache des Durchfalls, ggf. unterstützend gefüttert werden. Auch das sollten Sie mit Ihrem Tierarzt besprechen. Zur Regeneration nach einer durchgemachten Erkrankung, hat sich Mash als wertvoll erwiesen: Es baut die angegriffene Darmflora wieder auf und versorgt das Pferd mit wichtigen Nährstoffen.

Zwei Pferde fressen genüsslich ihre extra Portion Raufutter
Raufutter satt! Gutes Heu hat einen positiven Einfluss auf die Gesundheit


Vorbeugen ist besser als Nachsorgen!

Während Sie Ihr Pferd vor einer Infektion mit Viren oder Bakterien natürlich nur schwer schützen können, gibt es andere Stellschrauben, an denen Sie durchaus drehen können, damit die Verdauung Ihres Vierbeiners im Lot bleibt. Denn ein gesunder Darm bedankt sich nicht nur mit einem lebensfrohen, munteren Pferd mit glänzendem Fell und starkem Immunsystem, sondern auch mit wohlgeformten Pferdeäpfeln.

Wenn Sie folgende Tipps beherzigen, haben Sie schon einige wichtige Maßnahmen ergriffen, damit das Verdauungssystem des Pferdes einen guten Job machen kann:

  • Füttern Sie qualitativ hochwertiges Raufutter wie Heu in ausreichender Menge.
  • Weiden Sie langsam an und stellen Sie auch während der Weidesaison eine Versorgung mit Raufutter sicher.
  • Achten Sie auf eine regelmäßige, fachgerechte Entwurmung des Pferdes und entsprechende Stallhygiene.
  • Stellen Sie ein ausgewogenes Verhältnis von Kraftfutter und Raufutter sicher.
  • Ersparen Sie Ihrem Pferd möglichst unnötigen Stress.
  • Nehmen Sie Verdauungsstörungen ernst und ziehen Sie möglichst zeitnah den Tierarzt zurate, um eine Schädigung der Darmflora oder (Folge-)Erkrankungen auszuschließen.
  • Achten Sie darauf, dass die Fütterung (Menge und Art) optimal an den Bedarf Ihres Pferdes angepasst ist.
  • Stellen Sie sicher, dass Ihr Pferd keinen Zugang zu Giftpflanzen oder giftigen Substanzen (z.B. in behandeltem Holz in Spänen oder Zäunen) hat.
  • Ermöglichen Sie Ihrem Pferd eine gesundheitsfördernde Haltung mit viel Bewegung an der frischen Luft und Kontakt zu Artgenossen.

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FAZIT

Von harmloser Irritation über Fütterungsfehler bis zur ernsthaften Erkrankung: Die Gründe dafür, dass Pferdeäpfel ihre Form verlieren, sind vielfältig. Um Folgeschäden zu vermeiden, sollte der Ursache für Durchfall beim Pferd mithilfe des Tierarztes auf den Grund gegangen werden. Um die Darmflora des Pferdes gesund zu erhalten, können Sie einige Maßnahmen ergreifen, um Verdauungsproblemen vorzubeugen. Artgerechte Haltung, gute Futterqualität, eine an den individuellen Bedarf angepasste Fütterung und regelmäßige Kontrolle auf Parasiten gehören dabei zu den wichtigsten.

Überwindung lohnt sich: Da die Beschaffenheit der Hinterlassenschaften unserer Vierbeiner viel über ihren Gesundheitszustand aussagen, lohnt sich ein genaueres Hinsehen.