Der Winter ist vergangen, die ersten Halme stecken ihre Köpfe vorsichtig aus der Erdoberfläche. Bald kann das Pferd endlich das erste Maul voll saftigen Grases genießen. Doch die Futterumstellung zu Beginn der Weidesaison hat auch ihre Tücken! Wer dabei zu schnell vorgeht, riskiert die Gesundheit seines Vierbeiners. In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie Sie Ihr Pferd sanft anweiden, so dass dem grünen Vergnügen nichts mehr im Wege steht!


Fohlen und Stute grasen
Bloß schnell raus? Besser langsam auf die Weidesaison umstellen!

Die Vorfreude wächst mit dem Gras um die Wette: Schon wenn sich im Frühjahr das erste zarte Grün zeigt, wird jeder erreichbare Halm gezupft, schweift der Pferdeblick voller Sehnsucht in die Ferne, denn die Weidesaison steht vor der Tür. Endlich wieder saftiges Gras knabbern, den Alltag mit den Pferdekumpels auf der saftigen Wiese verbringen. Doch zwischen dem Ende des Winters und dem Beginn der Weidesaison Anfang Mai steht das Anweiden. Bei Pferden, die ganzjährig auf der Weide stehen, entfällt das Anweiden, doch bei allen anderen ist langsames Vorgehen ein Muss.

Und das will gut geplant sein, denn der Übergang von der Winterfütterung zu frischem, jungen Gras ist eine enorme Umstellung für den empfindlichen Verdauungsapparat der Pferde. Wer sich beim Anweiden der Pferde genug Zeit lässt, erspart sich damit womöglich Tierarztkosten: Denn andernfalls drohen Kolik, Stoffwechselerkrankungen und Hufrehe. Doch warum reagiert der Pferdekörper so sensibel auf die Umstellung vom Winterfutter zu Gras?

 


Warum Sie Pferde langsam anweiden sollten

Das Pferd ist ein Gewohnheitstier. Seine Darmflora besteht aus Bakterien, die sich in der kalten Jahreszeit an die Verdauung von Heu/Silage und Stroh gewöhnt und darauf spezialisiert haben. Mit einer plötzlichen Futterumstellung kommen diese Spezialisten nicht zurecht.

Bevor es mit der Weidesaison losgehen kann sind zwei wichtige Punkte zu beachten:

  1. Ist die Weide schon „reif“ für die Pferde? Je jünger das Gras ist, desto mehr Zucker und Eiweiß und desto weniger Rohfaser enthält es. Bis zur Mitte des Sommers etwa gilt: je älter das Gras wird, desto gesünder und verträglicher wird es für die Pferde. Daher gilt: Auch wenn die Sehnsucht nach der grünen Weide groß ist, sollten grade empfindliche Pferde lieber später angeweidet werden. Auch für gesunde Pferde sollte das Weidegras mindestens eine Höhe von 25cm haben (ca. so hoch wie eine Bierflasche).
  2. Hat das Pferd schon die richtige Weidefigur? Heute weiß man, das ca. 80% aller Hufrehe-Fälle durch Stoffwechselprobleme, besonders die Insulinresistenz, ausgelöst werden. Was bedeutet das? Durch dauerhaft hohe Mengen an Zucker und Stärke im Futter entgleist der Stoffwechsel der Pferde. Insulin ist das Hormon, das dafür sorgt, das ein hoher Blutzuckerspiegel gesenkt wird, indem Zucker in die Gewebe, zum Beispiel die Muskulatur aufgenommen wird. Bildet sich eine Insulinresistenz, funktioniert der Mechanismus nicht mehr. Der Blutzuckerspiegel bleibt hoch, und dies schädigt die Gewebe, bis hin zur Hufrehe. Die hohen Zuckergehalte im jungen Weidegras können hier schlimme Folgen haben.Übergewicht ist einer der Hauptfaktoren für eine Insulinresistenz. Daher gilt: Der Spätwinter ist die richtige Zeit, um etwas übergewichtige Pferde langsam und kontrolliert abnehmen zu lassen, damit sie die Weidesaison unbeschadet überstehen.

Fuchs und Brauner traben über eine grüne Wiese
Wer beim Anweiden richtig vorgeht, schont die Darmflora der Pferde.

Damit sich die Spezialisten im Pferdedarm also langsam an die neue Herausforderung gewöhnen können und sich neue bilden können, die auf Gras spezialisiert sind, braucht es einen Plan für das richtige Anweiden. Zu Beginn der Weidesaison empfiehlt es sich, den Zeitraum des Grasen zu begrenzen. Beginnen Sie mit 15 bis 20 Minuten Weidegang pro Tag oder lassen Sie das Pferd an der Hand Gras fressen und steigern Sie die Weidezeit pro Tag um 15 bis 20 Minuten über einen Zeitraum von drei bis vier Wochen. Sollte das Pferd während der Weidezeit für einige Tage nicht auf die Weide dürfen, bedeutet dies, dass Sie wieder erneut langsam anweiden müssen.


Vorsicht beim Anweiden: Achten Sie auf diese Zeichen!

Während des drei- oder vierwöchigen Zeitraum des Anweidens sollten Sie die Pferde genau beobachten. Angelaufene Beine , warme Hufe oder Durchfall beim Pferd können bedeuten, dass Sie zu schnell vorgegangen sind und dass der Organismus des Vierbeiners mit der Futterumstellung überfordert ist. Schalten Sie bei diesen Alarmsignalen einen Gang zurück: Steigern Sie die Dauer des Grasens nicht mehr, bis die Symptome nicht mehr auftreten und füttern Sie mehr Raufutter. Ziehen Sie im Zweifel immer einen Tierarzt zurate, falls bei Ihrem Pferd Symptome im Zusammenhang mit dem Weidegang auftreten!


Pferd steht auf einer Wiese in der Sonne
Lassen Sie Ihr Pferd anfangs nur begrenzte Zeit auf die Weide.

Fütterungstipps für die Weidezeit

Wer ein Pferd mit Heißhunger aufs Grün stellt, riskiert dessen Gesundheit. Denn dann ist es möglich, dass das Pferd sich seinen leeren Bauch mit bis zu 5kg Gras pro Stunde vollschlägt – ein Kraftakt für den Verdauungstrakt! Füttern Sie dem Vierbeiner vor dem Gang auf die Wiese also besser Raufutter satt. Das langsame Fressen auf der Wiese im Anschluss belastet den Organismus nicht unnötig und trägt damit zu einer besseren Verwertung des frischen Grases bei.

Auch wenn die Pferde bereits angeweidet sind, sollten Sie auf die Fütterung von Heu nicht verzichten. Weidegras besteht bis zu 75% aus Wasser. Die Rohfaserversorgung und die Versorgung mit Trockensubstanz stellen Sie am besten über eine Fütterung mit Heu und Stroh sicher.

Wie viel Heu bei Weidegang füttern? Junges Weidegras enthält ca. 20% mehr Energie und ca. 35% mehr verdauliches Eiweiß als gutes Heu. 4kg Weidegras entsprechen somit etwa 1kg Heu. Füttern Sie vor dem Gang auf die Weide die Heuration und passen Sie dann die Weidzeit an das Pferd an. Wer zu Übergewicht und Verdauungsproblemen neigt, sollte das saftige Grün nur mit Vorsicht genießen! Leichtfuttrige Pferde sollten statt einer reduzierten Heumenge lieber begrenzten Weidegang erhalten und einen Großteil ihres Bedarfs mit hochwertigem Heu abdecken. Vorsicht bei Hufrehepatienten! Diese sollten, auch wenn es schwer fällt, lieber auf den Weidegang verzichten, oder nur nach Rücksprache mit dem Tierarzt für begrenzte Zeit aufs Grün.


Mash macht das Pferd stark für die grüne Saison

Nicht nur Heu ist die optimale Begleitung in Sachen Pferdefutter beim Anweiden. Auch Mash hat sich in dieser sensiblen Zeit bewährt! Die in Leinsamen enthaltenen Schleimstoffe puffern und schützen die empfindliche Magen- und Darmwand des Pferdes. Reichen Sie dem Pferd die warme Mahlzeit, bevor es Zugang zum frischen Gras erhält, um es optimal auf die langsame Futterumstellung vorzubereiten.


Alles im grünen Bereich?

Die optimale Nährstoffversorgung ist auch zur Weidezeit wichtig! 

Umweltbelastungen, übersäuerte Böden und Monokulturen sorgen dafür, dass wichtige Nährstoffe im Weidegras oft Mangelware sind. Damit das Pferd während der Weidesaison optimal mit Mineralien und Spurenelementen versorgt ist, sollten Sie auch im Frühjahr und im Sommer nicht auf die Gabe eines hochwertigen Mineralfutters verzichten und stets einen Salzleckstein zur Verfügung stellen. Auch eine Kombination aus Salz- und Mineralleckstein bietet sich an. Wer seinem Pferd nach dem Weidegang kein Kraftfutter reicht, da der Energiebedarf durch Heu und Gras bereits gedeckt ist, empfehlen wir Mineralfutter in Leckerli-Form. Da der Stärke- und Zuckergehalt von Gras höher ist als der von Heu, ist bei leichtfuttrigen Weidegängern oder Pferden mit Stoffwechselstörungen eine Gabe von stärke- und zuckerreduziertem Mineralfutter ratsam.


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Pferd galoppiert über eine Wiese
Pure Freude für Pferde: Ein Tag auf der grünen Weide!

Fazit

„Immer langsam mit den jungen Wiesen“ lautet die Devise beim richtigen Anweiden. Schritt für Schritt gewöhnt sich der Stoffwechsel der Pferde am besten ans frische Grün. Wer dabei mit Bedacht vorgeht, vermeidet Komplikationen wie Koliken, Hufrehe, Kotwasser oder Durchfall und trägt dazu bei, dass sich die empfindliche Darmflora langsam umstellen kann. Wichtig ist außerdem eine ausreichende Versorgung mit hochwertigem Raufutter auch während der Weidesaison, zusätzlich sollten Sie unbedingt an die Gabe eines hochwertigen Mineralfutters denken. Werden alle diese Tipps beherzigt, steht dem Weidevergnügen nichts mehr im Wege!