Wie verbringen Sie Silvester? „Dinner for One“ schauen, Fondue genießen, mit Freunden zusammen feiern und – bangen? Dann geht es Ihnen wie vielen Pferdebesitzern. Deren Freude über das Neujahrsfest wird alle Jahre wieder getrübt von der Angst um den geliebten Vierbeiner.

Der Ausnahmezustand um Hof und Stall ist eine Belastungsprobe für das Nervenkostüm der sensiblen Tiere. Lichtreflexe und Knaller können beim Fluchttier Pferd Panik auslösen. Wie gelingt der Rutsch ins neue Jahr ohne Stress?

Hier erhalten Sie Tipps, wie Sie Ihr Pferd auf Silvester vorbereiten können. Und wie Sie dafür sorgen, dass die Party auch für Ihren vierbeinigen Freund eine entspannte Angelegenheit wird.


Vor der Party: Das Pferd auf Silvester vorbereiten – Tipps & Tricks

Lassen Sie’s schon vorher knallen!

Normalerweise startet schon ein paar Tage vor Silvester der Böllerverkauf. Spätestens dann sollten Sie sich also auf den Ausnahmezustand vorbereitet haben. Beginnen können Sie damit jedoch schon viel früher. Mit Gelassenheitstraining! Zwar können Sie dort keine Silvesternacht simulieren, dennoch reagieren Pferde, die regelmäßig in Sachen Gelassenheit trainiert werden, meist auch entspannter auf Licht und Lärm in der Neujahrsnacht. Der Grund: Sie haben gelernt, mit ungewohnten Situationen umzugehen und das notwendige Selbstvertrauen, diese auch zu meistern.

Um Ihr Pferd vorab an Knallgeräusche zu gewöhnen, können Sie beim Gelassenheitstraining mit Luftballons arbeiten. Darin erarbeiten Sie gemeinsam mit dem Pferd, dass es beim Platzen eines Luftballons möglichst tiefenentspannt bleibt. Starten Sie mit einem knallenden Luftballon in größerer Entfernung, loben Sie mit Leckerli, wenn das Pferd gelassen bleibt und verringern Sie mit der Zeit den Abstand. Besonders wagemutige Pferde können auch lernen, selbst Luftballons zum Platzen zu bringen.

Für diese Art des Schrecktrainings benötigen Sie allerdings eine Menge Vorlauf, damit das Pferd bis zur Silvesternacht angstfrei auf Knallgeräusche reagiert. Gehen Sie dabei langsam voran, sonst erreichen Sie einen gegenteiligen Effekt: Wenn das Pferd mit der Luftballon-Übung überfordert ist, reagiert es künftig mit größerem Stress auf Knallgeräusche.

 

Smalltalk vor der Sause: Sprechen Sie mit Nachbarn

Dass Pferde ausgesprochen feine Ohren haben und sich auch von Lichtreflexen aus der Ruhe bringen lassen, wissen viele Menschen nicht. Leisten Sie also vorab Aufklärungsarbeit in der Nachbarschaft des Stalls. Bei einem freundlichen Gespräch können Sie die Nachbarn vielleicht davon überzeugen, die Knallerei zu Silvester dezenter ausfallen zu lassen oder sie an einen Ort zu verlegen, der sich weiter weg vom Stall und den Pferden entfernt befindet.


Alter Hase oder Hasenherz? So finden Sie’s heraus!

Wenn Sie nicht sicher sind, ob Ihr Pferd in der Silvesternacht panisch reagieren könnte, können Sie seine „Knallfestigkeit“ mithilfe einer akustischen Generalprobe testen. So können Sie auch herausfinden, welches Pferd in der Herde bei Raketen und Feuerwerk gelassen bleibt – und welches nicht: Spielen Sie dafür in der Nähe der Testkandidaten (zum Beispiel am Paddock oder auf der Weide) eine CD oder einen Soundfile vom Computer mit Knallgeräuschen ab. Hier zeigt sich meist recht deutlich, wer auch in der Silvesternacht einen kühlen Kopf bewahren wird. Oder wer eventuell seelischen Beistand durch einen „alten Hasen“ gebrauchen könnte.

Es hat sich bewährt, jungen oder unsicheren Pferden in der Neujahrsnacht einen gelasseneren Stallkollegen in der Box nebenan zu platzieren. Das kann die Angst reduzieren. Allerdings sollten Sie dabei nicht zu viel hin- und hertauschen. Pferde sind Gewohnheitstiere, sollte sich in der Nacht der Nächte die gewohnte Boxenkonstellation zu sehr ändern, könnte sie dieser Wechsel beunruhigen.

Auch für die Knallgeräusche vorab gilt: Tasten Sie sich vorsichtig ran und sorgen Sie, mit Hinblick auf die Sicherheit von Mensch und Tier, dafür, dass keine Panik in der Herde ausbricht.


Location-Check: Sichern Sie die Zäune ab!

Kontrollieren Sie vor Silvester auf jeden Fall nochmal alle Umzäunungen von Weide oder Offenstall. Hier sollten Sie auf Nummer sicher gehen, dass die Pferde im Falle von Panik nicht entwischen können und es dadurch zu Unfällen kommen kann. Damit der „gute Rutsch“ keine Rutschpartie wird, sollten Sie den Auslauf von Schnee und Eis befreien. So minimieren Sie die Verletzungsgefahr bei den Tieren.


Pferd mit Angst im Portrait
Angst zu Silvester! Bewegung und natürliche Beruhigungsmittel können Pferden helfen.

FÜNF VOR 12: Es wird ernst!

Hilfsmittel und Beruhigungsmittel fürs Pferd zu Silvester

Wer sein Pferd zu Silvester beruhigen möchte, sollte vor allem selbst gelassen bleiben. Ist sein Mensch nervös, kann das auch den Vierbeiner anstecken. Damit dieser entspannt bleibt, greifen manche Pferdehalter zu Silvester auch zu Beruhigungsmitteln. Dazu gehören:

  • Melisse
  • Baldrian
  • Hopfen
  • Rescue-Tropfen

Die Gabe von Beruhigungsmitteln sollten Sie immer nur in Absprache mit dem Tierarzt durchführen! Wenn Sie es mit einem besonders ängstlichen Pferd zu tun haben, wird manchmal auch die Sedierung mit Medikamenten vom Tierarzt in Erwägung gezogen. Auch hierfür gilt natürlich: Ohne die Zustimmung des Veterinärs sollten Sie nicht zum Beruhigungsmittel greifen!

Als physisches Beruhigungsmittel kann auf Ohrenstöpsel für Pferde zurückgegriffen werden. Diese dämpfen laute Geräusche, werden allerdings nicht von jedem Pferd gerne getragen.

Auspowern: Sport sorgt für Gelassenheit

Sorgen Sie dafür, dass Ihr Pferd am Tag des Jahreswechsels körperlich ausgelastet ist. Bei einer Trainingseinheit oder Freilauf kann es überschüssige Energien abbauen und wird sich so in der Nacht gelassener zeigen.


Pferd gähnt herzhaft
Gääähn! Mit einem entspannten Pferd ins neue Jahr.

Frohes Neues! So wird die Silvesternacht stressfrei fürs Pferd

Fenster zu – Musik an!

Verschließen Sie, wenn Sie Pferde in einem Stall halten, die Fenster und dunkeln sie diese ggf. ab – auf die Lichtreflexe der Feuerwerkskörper reagieren manche Pferde mit Unbehagen. Lassen Sie im Stall in der Nacht Licht brennen und stellen Sie das Radio an. Die Geräuschkulisse wirkt auf die Vierbeiner beruhigend und lenkt von der Knallpartie vor dem Fenster ab.

Fütterung: Lassen Sie die Pferde ruhig fressen!

Kauen beruhigt! Servieren Sie in der Silvesternacht eine extra große Portion Heu. Solange die Pferde mit dem Knabbern beschäftigt sind, konzentriert sich ein Großteil ihrer Aufmerksamkeit auf das Futter, außerdem bauen sie durch die Kaubewegung Stress ab.

Manche Pferdehalter schwören auch darauf, ihrem Vierbeiner gegen Mitternacht ein besonderes Schmankerl zu servieren: Ein warmes Mash zur Feier des Tages kann zum Beispiel die Anspannung vertreiben. Sollten Sie sich dazu entschieden haben, dem Pferd (in Absprache mit dem Tierarzt!) Beruhigungsmittel zu verabreichen, lassen sich diese ebenfalls in einem schmackhaften Mash verstecken. In diesem Fall sollten Sie den Leckerbissen jedoch nicht erst um Mitternacht verabreichen, damit er bis zur großen Knallerei noch seine volle Wirkung entfalten kann.

Unsere Empfehlung für eine wohltuende Ration am Silvestertag:

Nach dem Fest: Weiden und Offenstall checken!

Wenn Sie und Ihre Pferde gut ins neue Jahr gekommen sind, sollten Sie am Folgetag alle Ausläufe, Wiesen und Paddocks akribisch auf eventuelle Blindgänger untersuchen. Und: Verlangen Sie von Ihrem Pferd am ersten Tag des neuen Jahres nicht all zu viel. Auch für Pferde, die sich an Silvester nichts anmerken lassen, kann der Ausnahmezustand um den Stall anstrengend sein. Geben Sie Ihrem Pferd also etwas Zeit, sich von den Strapazen zu erholen.


Fazit

Vom Luftballon-Training bis zur Heu-Flatrate: Mit entsprechender Vorbereitung und Maßnahmen vor Mitternacht, können Sie dafür sorgen, dass Sie und Ihre Pferde stressfrei Silvester verbringen – und gemeinsam bester Dinge und entspannt ins neue Jahr starten!