Ohne Hufe, soviel steht fest, läuft beim Pferd nichts. Er von zentraler Bedeutung für die Gesundheit des Pferdes – und so viel mehr als nur ein Horngebilde. Im „nachwachsenden Schuh“ des Vierbeiners verbirgt sich ein komplexer Mechanismus – oft werden die Hufe des Pferdes sogar als „zusätzliches Herz“ bezeichnet. Was genau leistet ein Pferdehuf? Warum ist er so wichtig für die Gesundheit des Pferdes? Welche Pflege ist für ihn optimal und was tun bei brüchigen, zu weichen oder trockenen Hufen? In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie ein Huf funktioniert und was er braucht, um seine wichtige Rolle optimal zu erfüllen. Und wie Sie dazu beitragen können, dass Ihr Pferd auf vier gesunden und stabilen Hufen munter durchs Leben trabt.


Warum haben Pferde Hufe?

Viele Kilometer auf hartem Boden legte das Steppentier Pferd einst täglich zurück. Praktischerweise hatte es das passende „Schuhwerk“ für diesen Zweck immer dabei. Der

Huf aus festem Horn trug seine Körperlast, schützte das Pferd vor unebenem Boden und wuchs bei Beschädigungen sogar nach.

Der Vorfahr des heutigen Pferdes, das hundegroße Hyracotherium, hatte noch mehrere Zehen. Seitdem ist viel geschehen – in den folgenden 50 Millionen Jahren wurde das Pferd größer und schwerer. Heute muss ein einzelner Huf, bei einem Pferd von 500 kg Körpergewicht, stolze 125 kg tragen, wenn das Pferd auf allen vier Beinen steht. Eine ganze Menge!

Forschungen zufolge ist ein einzelner, tragender Zeh günstiger – zusätzliche Zehen, samt ihrer schweren Knochen, beeinträchtigen die Geschwindigkeit und belasten unnötig. Daher übernahm die Mittelzehe des Pferdes im Laufe seiner Evolution die Rolle des Lastenträgers. Der einstige Zehennagel entwickelte sich zu einer tragenden Hornkapsel. Noch heute beginnen Pferde ihre Embryonalentwicklung jedoch, wie alle Vierfüßer, mit fünf Zehen. Wenn es um Schnelligkeit und Stabilität geht, hat sich ein einzelner „Zeh“ aus festem Horn aber als eindeutiger Vorteil erwiesen. Und dieser Zeh ist Bestandteil eines komplexen Systems. Dieser sorgt dafür, dass beim Pferd alles rund läuft.

Huf eines Pferdes im Wasser
Die Hufe der Pferde haben viele Funktionen


Aufbau der Pferdehufe und Hufmechanismus

Der „nachwachsende Schuh“ des Pferdes gibt Halt auf jedem natürlichen Untergrund, sorgt für eine schnelle und stabile Fortbewegung und ist mit feinen Sensoren ausgestattet. Am Übergang von der Wandlederhaut zur Sohlenlederhaut verlaufen die Nerven am dichtesten. Diese Nerven verarbeiten unter anderem die Signale, die der Huf vom Untergrund erhält und geben diese über die Hornröhrchen an den Kronwulst weiter. Von hier werden Sehnen, Gelenke und Bänder „gesteuert“ – Unebenheiten werden blitzschnell vom Tastsinn in den Hufen erfasst. Ein Umknicken oder Stolpern wird so vermieden, denn sobald das Signal „Unebenheit“ (und deren genau Lokalisation) von den Nerven im Huf weitergegeben wird, stabilisiert das Pferd entsprechende Körperbereiche oder fixiert Sehen und Bänder und reagiert damit auf die entsprechende Begebenheit.

Doch der Huf ist nicht nur Gefühlssensor: Er ist auch ein hervorragender Stoßdämpfer! Mit dem Hufhorn wird die beim Auffußen aufgetretene Energie abgefangen. Durch den Hufmechanismus verformt sich der Pferdehuf bei jedem Auf- und Abfußen:

Beim Auffußen wird die vordere obere Zehenwand nach hinten-außen gedrückt, die Ballen senken und weiten sich, der Strahl bewegt sich Richtung Boden. Der Huf wird also beim Auffußen weiter. Beim Abfußen verringert sich die Druckbelastung und der Huf wird wieder enger. Der vermeintlich „starre Huf“ ist also ein sehr bewegliches Gebilde! Beim Auffußen strömt vermehrt Blut in den Huf – diese Durchblutung sorgt nicht nur dafür, dass Giftstoffe abtransportiert werden können, sondern ist auch die Voraussetzung für ein gesundes Hufwachstum.

 


Wie schnell wachsen Pferdehufe?

Im Durchschnitt wächst das Horn monatlich etwa sechs bis zehn Millimeter. Bis die Zehenwand komplett erneuert ist, dauert es etwa 12-14 Monate, die Seitenwände wachsen in 8-9 Monaten komplett nach. Dabei wächst nicht jeder Huf gleich schnell. Auch die Art des Einsatzes des Pferdes, seine Rasse, sein Alter, seine Haltung und Pflege haben Einfluss auf die Geschwindigkeit des Hufwachstums. So haben Studien ergeben, dass das Horn von Pferden, die sich mehr bewegen schneller wächst (da die Bewegung die Durchblutung des Horns anregt) und die Hufe beschlagener Pferde langsamer wachsen als die von Barhufgängern.

Fest steht: Da das Steppentier von einst heute keine Steppenbedingungen mehr vorfindet, kommt man nicht umhin, die Hufe bearbeiten zu lassen. Dabei können sich Pferdehalter zwischen mehreren Varianten entscheiden.


Hufschmied bei der Bearbeitung des Pferdehufs
Beschlag vom Hufschmied oder Barhuf? Eine individuelle Entscheidung

Barhuf oder Hufbeschlag?

Ein gesunder Huf kommt grundsätzlich ohne Eisen aus – allerdings können äußere Faktoren, wie bestimmte Bodenbeschaffenheiten, die Art des Trainings oder auch innere Faktoren, wie bestimmte Krankheiten, Hufbeschlag erforderlich machen. Zwar wird der Hufmechanismus durch den Beschlag eingeschränkt und das Ziel sollte immer sein, dass das Pferd schmerzfrei ohne Eisen laufen kann. Allerdings, da sind sich viele Experten einig, ist Hufbeschlag nicht grundsätzlich abzulehnen, aufgrund der schon erwähnten äußeren Einflüsse und Krankheiten, bei denen Hufbeschlag eine wichtige Unterstützung sein kann. Sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt oder Hufbearbeiter über individuelle Lösungsmöglichkeiten für Ihr Pferd!

Je nachdem können Sie sich dann für folgende Arten des Hufschutzes entscheiden:

  • Temporärer Hufschutz (z.B. Hufschuhe)
  • Genagelter Hufschutz (Eisenbeschläge: nur Vorderhufe oder Vorder- und Hinterhufe, Kunststoffbeschlag, orthopädischer Beschlag)
  • Geklebter Hufschutz (aus Kunsthorn oder Klebeschuhe)

Ein gesunder Huf zeichnet sich dadurch aus, dass das Pferd über alle Untergründe belastbar laufen kann. Bröckelige Hufe, ausbrechendes Horn, trockene Hufe oder Entzündungen sind Zeichen dafür, dass im Huf etwas im Argen liegt. Und das kann vielfältige Ursachen haben!


Trockene, bröckelige oder rissige Hufe – Die Ursachen

Brechen die Hufe leicht aus, zeigen sich Risse in der Hufwand, verliert das Pferd häufig seine Eisen, oder leidet es an Strahlfäule, gibt es viele mögliche Auslöser dafür. Warum Hufe instabil werden, bröckeln, einreißen oder trocken sind, kann an folgenden Faktoren liegen:

Mögliche Gründe für schlechte Hufe:

  • Nährstoffmangel aufgrund von falscher Fütterung
  • Falsche Haltung, Ammoniakbildung, z.B. bei zu seltenem Misten oder Matratzeneinstreu
  • Bewegungsmangel
  • Zu feuchte oder zu trockene Umgebung
  • Fehlender Abrieb oder zu hoher Abrieb
  • Mangelnde Hufpflege
  • Ererbte, schlechte Hornqualität

Hufpflege – Vom Wässern, Fetten und Pflegen

Hufe wässern? Hufe fetten? Kaum ein Diskurs zum Thema Hufpflege wird hitziger geführt, als der zum Thema Fett und Wasser. Zu trockenes Horn bröckelt, zu feuchte Hufe brechen auf, soviel ist sicher. Ein Wechselspiel aus Trockenheit und Feuchte schadet den Hufen, auch das Einfetten wird immer umstrittener. Im Falle trockener Hufe soll Fetten helfen, sofern die Hufe zuvor gewässert wurden, die Feuchtigkeit im Huf zu halten. Aber: Wird der Huf regelmäßig eingeölt oder gefettet, verhindert dies auch, dass Feuchtigkeit eindringen kann. Ungünstig, denn nicht das Fett sorgt für eine bessere Elastizität des Hufhorns, sondern die Feuchtigkeit. Deswegen: Hufe erst wässern, dann fetten – sonst trocknet das Fett das Hufhorn noch mehr aus.

Das Wässern der Hufe in den heißen Sommermonaten ist allerdings auch umstritten. Studien belegen, dass der schnelle Wechsel von nass zu trocken der Hufstruktur schadet.

Im Idealfall holt sich das Pferd beim morgendlichen Weidegang über den Tau selbst seine Portion Feuchtigkeit für die Hufe ab.

Feuchter Lehmboden gilt auch als eine hervorragende Hufpflege. Auch das Wässern des Bodens um die Tränke auf dem Paddock im Sommer hat sich als hilfreich erwiesen, um Hufe vor Trockenheit zu schützen. Bei jedem Gang zum Wassertrog werden die Hufe des Pferdes so sanft befeuchtet.

Bei weichen Hufen sollte Feuchtigkeit dagegen vermieden werden! Schlamm, nasser Untergrund oder feuchte Einstreu können die Hufe einweichen – das öffnet Fäulnisbakterien Tür und Tor und lässt auch Fremdkörper leichter eindringen. Entzündungen, Strahlfäule oder Hufabszesse können die Folge sein. Deswegen sollte stets darauf geachtet werden, dass Pferde auf einem trockenen, sauberen Untergrund stehen und die Hufe regelmäßig von Schlamm, Verunreinigungen und Fremdkörpern gereinigt werden.

Sprechen Sie mit Ihrem Schmied oder Hufbearbeiter über die Pflege der Hufe Ihres Pferdes – er wird Ihnen individuelle Tipps geben, wie Sie Ihr Pferd diesbezüglich individuell unterstützen können!

Pferd im Galopp auf der Weide
Die richtige Fütterung kann den Stoffwechsel der Pferde positiv beeinflussen


Wie der Huf mit dem Stoffwechsel zusammenhängt

Nur mit einem funktionierenden Hufmechanismus kann auch der Stoffwechsel des Pferdes optimal funktionieren. Bei einem eingeschränkten Hufmechanismus kann der Blutkreislauf des Pferdes durch die Hufe nicht mehr richtig unterstützt werden. Hierdurch kommt es zu Krankheiten. Herz-, Leber- und Nierenprobleme und die gefürchtete Hufrehe können die Folge eines gestörten Hufmechanismus sein. Nicht umsonst werden die Hufe oft als „zusätzliches Herz“ des Pferdes beschrieben. Deformierte Hufe, Fehlstellungen, zu enge oder kleine Hufe, Hufrollenentzündung oder Zwanghufe können die Lebensqualität des Pferdes stark einschränken und das gesamte Pferd buchstäblich aus der Balance bringen.

Der Huf fungiert auch als Entgiftungsorgan. Kann er diese Funktion nicht mehr übernehmen oder ist darin eingeschränkt, müssen andere Organe diesen „Job“ übernehmen. Und sind damit, über kurz oder lang, überlastet. Nur mit einer ausreichenden Durchblutung kann der Huf den Stoffwechsel des Pferdes unterstützen, Stoffwechselendprodukte und Kohlendioxid abtransportieren und die Zellen mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen.

Ein Pferd mit gesundem Stoffwechsel zeichnet sich aus durch glänzendes Fell, feste Hufe und eine gut funktionierende Verdauung. Ausreichend Bewegung, artgerechte Haltung, fachgerechte Pflege und eine bedarfsgerechte Fütterung sind der Schlüssel zu einem guten Stoffwechsel. Lesen Sie hierzu auch unseren Ratgeber zum Thema Stoffwechsel.


Unser Mineralfutter versorgt Ihr Pferd mit allen wichtigen Mineralien, Spurenelementen und Vitaminen:


Fütterungs-Tipps: Nährstoffe für gesunde Hufe

Eine Unterversorgung mit Nährstoffen kann zu Hufproblemen beim Pferd führen. Eine bedarfsgerechte Nährstoffzufuhr kann das Wachstum des Hufhorns positiv beeinflussen und zur Stabilität der Hufe beitragen. Zink, Kupfer, Biotin und Vitamin E können die Gesundheit von Huf und Fell stärken und Mangelerscheinungen vorbeugen. Deswegen sollte bei schlechter Hornqualität immer die Versorgung mit entsprechenden Nährstoffen sichergestellt werden! Auch schlechte Futterqualität, zum Beispiel mit Schimmelpilzen belastetes Heu, zu hohe Getreidemengen, Aroma- und Süßstoffe im Futter können die Hufqualität negativ beeinflussen. Wenn Ihr Pferd Hufprobleme hat, sollten Sie daher auch immer die Fütterung genauer unter die Lupe nehmen und ggf. Änderungen vornehmen.


Fazit

Ohne Huf kein Pferd – der „nachwachsende Schuh“ ist ein komplexes Zusammenspiel an Mechanismen und dient als Tastorgan, Stoßdämpfer, Lastenträger, Entgiftungsorgan und sorgt für Halt auf jedem Untergrund. Die Hufgesundheit wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst, die oft in der Hand des Pferdehalters liegen. Ist der empfindliche Hufmechanismus gestört, kann das eine Reihe von Krankheiten nach sich ziehen.

Von der Haltung über die Hufbearbeitung, bis zur Pflege und der Fütterung, gibt es viele Möglichkeiten, die Gesundheit des Pferdehufs positiv zu beeinflussen.

Wenn hierfür optimale Bedingungen geschaffen werden, läuft es rund beim Pferd.