Wie bekommt Ihr Pferd sein Heu serviert? Im Netz oder vom Boden? Vom ersten oder zweiten Schnitt? Alles auf einmal oder in kleinen Portionen? Und von welcher Qualität ist es? Riecht es muffig oder duftet es nach Wiesenkräutern? Fühlt es sich weich oder stängelig an? Und enthält es viele Nährstoffe, oder wenige?

Heu ist nicht gleich Heu – auch wenn die meisten Pferde täglich das eine Produkt mit dem gleichen Namen vertilgen, unterscheidet sich das beliebte Pferdefutter jedoch stark voneinander. Unterschiedliche Faktoren haben Einfluss darauf, was im Ballen steckt – und diese Unterschiede wiederum, haben einen direkten Einfluss auf die Gesundheit des Pferdes. Geballtes Wissen über die Wiese im Ballen:

In diesem Ratgeber erfahren Sie, warum Heu für Pferde eigentlich so wichtig ist. Und warum Sie sich mit der grünen Materie ein wenig auskennen sollten, wenn Ihnen die Gesundheit Ihres Vierbeiners am Herzen liegt.


Pferdemaul beim Heu fressen
Pferdeheu enthält wichtige Inhaltsstoffe.

Heu für Pferde – das ist drin

Heu ist weit mehr als einfach nur getrocknetes Gras. Es enthält Energie und wichtige Nährstoffe, Vitamine, Mineralien, Spurenelemente, Fette, Eiweiß, und Zucker. Sein Rohfasergehalt macht es zum A und O der Pferdefütterung, denn Rohfaser ist für die Gesundheit des Pferdes essentiell.

Geballte Kraft – das steckt im Heuballen:

  • 23 – 30% Rohfaser
  • Calcium
  • Magnesium
  • Phosphor
  • Zink
  • Mangan
  • Kalium
  • Zucker
  • Rohprotein
  • Energie
  • Kupfer
  • Eisen
  • Selen


Heu für Pferde – darum ist es so wichtig

 Heu gehört, neben Stroh, Heulage, Silage und Gras während der Wachstumsperiode, zum Raufutter. Heu stellt dabei die Grundlage in der Pferdefütterung, kommt es doch den natürlichen Futterbedingungen des Vierbeiners am nächsten. Über viele Jahrtausende ernährte sich das Steppentier Pferd von kargen Gräsern und entwickelte einen Verdauungstrakt, der sich diesen Bedingungen perfekt anpasste. Die grobe Struktur des Heus fördert die Speichelbildung und sorgt für eine gute Verdauung. Sein Stärkegehalt ist geringer als der von Kraftfutter wie Hafer, Mais oder Gerste und kann deswegen vom Verdauungssystem des Vierbeiners besser verarbeitet werden. Das Verdauungssystem ist auch der Grund, weshalb auch das „moderne Pferd“ immer noch auf Heu als Grundfutter angewiesen ist.

Während sich die Lebensumstände unseres geliebten Pferdes über die Zeit drastisch geändert haben, ist sein Verdauungssystem nach wie vor nämlich auf „Steppe“ eingestellt. Ein Faktor, den wir berücksichtigen müssen, wenn wir das Pferd gesund erhalten möchten. Um zu verstehen, warum Heu für Pferde so essentiell ist, sollte man sich zunächst also sein komplexes Verdauungssystem näher ansehen.

Mehr zum Thema Pferdefütterung in unserem E-Book:

 
 
 


Der Pferdemagen – Wichtiger Zwischenstopp auf der Reise des Futters

Eine bedeutende Station auf der Reise des Futters durch den Verdauungstrakt ist der Magen des Vierbeiners. Sein Fassungsvermögen ist sehr klein und sein Verdauungsvolumen liegt bei nur ca. 10%. Das heißt, das Futter verbleibt nur sehr kurz im Magen und tritt dann seine Weiterreise durch den Darmtrakt an.

Unter natürlichen Bedingungen ist der Magen dennoch nie leer – das Pferd ist von Natur aus ein Dauerfresser. In freier Wildbahn ist es 18 Stunden am Tag mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt und vertilgt regelmäßig kleine Mengen, während es dabei viele Kilometer zurücklegt. Da der Magen also auf „Dauerfressen“ eingestellt ist, produziert er fortlaufend Magensäure. Die Magensäure ist ein starker Helfer in der Verdauung: Sie zerlegt das Futter in seine Einzelteile, sorgt dafür das wichtige Nährstoffe freigesetzt werden, macht Bakterien und Keime unschädlich und aktiviert wichtige Verdauungsenzyme. Kurzum: Sie bereitet den Futterbrei optimal auf seine Darmpassage vor. Ihren Job kann die Magensäure allerdings nur einwandfrei erledigen, wenn die Fütterung optimal an die natürlichen Bedürfnisse der Pferde angepasst ist. Da der Magen fortwährend Magensäure produziert (er kann nicht anders), tut er das auch, wenn das Pferd nicht frisst. Zu lange Fresspausen führen dazu, dass die Magensäure die empfindliche Magenschleimhaut angreift. Und das macht auf Dauer krank.

Mehr zum Thema Magenprobleme: Erfahren Sie, wie sich eine falsche Fütterung auf Pferdemagen auswirken kann, und warum Magenprobleme beim Pferd weit verbreitet sind: Jetzt Ratgeber zu Magenproblemen beim Pferd lesen.

Da der Magen, wie erwähnt, ein sehr geringes Fassungsvermögen hat, sind zu große Futtermengen auf einmal ebenfalls schädlich – das Verdauungssystem des Vierbeiners ist auf eine schnelle Magenpassage des Futters ausgelegt.

Doch nicht nur die Menge hat Einfluss darauf, wie lange das Futter im Magen verweilt. Auch die Art des Futters spielt eine entscheidende Rolle. Und hier kommt das Heu ins Spiel. Das Verhältnis löslicher zu unlöslichen Kohlenhydrate im Futter ist nämlich ein wichtiger Faktor in Hinblick auf die Verdauung. Lösliche Kohlenhydrate sind z.B. u.a. Stärke, Fructane und Zucker (viel enthalten z.B. in Getreide und Frühlingsgras), unlösliche Kohlenhydrate sind z.B. u.a. Zellulose und Lignin (viel enthalten in Rohfaser wie Heu).

Die nicht löslichen Kohlenhydrate bilden einen wichtigen Bestandteil in der Pferdefütterung, da sie einerseits für eine schnelle Magenpassage sorgen und andererseits auch gewährleisten, dass die aufgenommene Energie langsam freigesetzt wird, was dem natürlichen Bedürfnis des Pferdes in Sachen Ernährung mehr entspricht.

Die Rohfaser sorgt auch dafür, dass die Futterpassage durch den Darm optimal funktioniert, der Futterbrei besser aufgeschlossen wird, fördert die Darmflora und trägt dazu bei, dass die Verdauungssäfte effizienter wirken können.

Mit der Gabe von Heu erreichen wir also eine schnellere Magenpassage und unterstützen das gesamte Verdauungssystem des Pferdes.

Damit die Magensäure den Magen nicht angreift, wird das Heu nicht in großen Mengen auf einmal gefüttert, sondern regelmäßig über den Tag verteilt, so dass keine Fresspausen von länger als vier Stunden entstehen.

Heu von guter Qualität
Heu regt die Kautätigkeit an, das hilft der Verdauung.

 


Mit Geduld und Spucke – Wie der Speichel der Verdauung hilft

 Mit dem Speichel hat der Pferdemagen einen wichtigen Verbündeten. In der Verdauungsfabrik des Vierbeiners ist er sozusagen der Vorarbeiter: Wenn der Nahrungsbrei nämlich nicht ausreichend eingespeichelt wurde, ist für die Magensäure kein Durchkommen. Sie wird dann nicht in der Menge verbraucht, in der sie produziert wurde (und greift dann wieder die Magenschleimhaut an), kann die Nährstoffe und Enzyme nicht im erforderlichen Maße aufspalten und aktivieren und auch nicht alle Bakterien und Keime unschädlich machen. Gut eingespeicheltes Futter sorgt also für eine locker-flockige Konsistenz des Futterbreis und lässt den Magen seinen Job machen. Speichel neutralisiert die Magensäure. Doch was ist für die Speichelproduktion beim Pferd entscheidend? Die Antwort lautet: Das Kauen. Das Pferd ist naturgegeben nämlich nicht nur ein „Dauerfresser“ sondern logischerweise auch ein „Dauerkauer“.

Je intensiver und länger das Pferd kaut, desto mehr Speichel produziert es.

Die Art des Futters beeinflusst den Speichelfluss

  • Beim Fressen von Kraftfutter wird pro Kilogramm etwa ein Liter Speichel produziert.
  • Beim Fressen von Heu werden durch die intensivere Kautätigkeit pro Kilogramm ca. 5 Liter Speichel produziert.

Heu ist aufgrund seiner Struktur also ein optimaler „Speichelproduzent“. Und nicht nur ernährungsphysiologisch ist seine Fütterung essentiell: Durch die lange Beschäftigung mit dem Knabbern am Heu kann es einen großen Beitrag zur Zufriedenheit des Pferdes leisten, welches seinem Steppentier-Instinkt durch die dauernde Aufnahme kleiner Mengen Heus über einen langen Zeitraum nachkommen kann. Das hat einen positiven Effekt auf das Verhalten und auch auf die Futterverwertung.


Pferd auf der Wiese frisst Pferdeheu
Raufutter wie Heu ist die Nahrungsgrundlage der Pferde.

Pferdeheu – Welcher Schnitt ist am besten geeignet?

Heu ist nicht gleich Heu. Neben dem Standort der Wiese, der Art der Gräser- und Kräutersorten, der Verarbeitung und der Lagerung, spielt auch der Schnitt, also der Erntezeitpunkt des Pferdeheus, eine wichtige Rolle. Auch, wenn in der modernen Landwirtschaft mehr als drei Ernten pro Jahr mittlerweile durchaus als normal gelten, beschränkt sich die traditionelle Landwirtschaft auf zwei Ernten jährlich. Einmal der erste Schnitt zu Beginn oder in der Mitte der Blüte im Mai oder Juni und der zweite Schnitt im August/September. Grundsätzlich liefert der erste Schnitt das beste Heu für Pferde, vorausgesetzt es wurde nicht vor der Blüte gemäht. Heu mit dem Erntezeitpunkt „Mitte der Blüte“ weist eine für Pferde optimal geeignete Struktur und einen hohen Rohfaser- und Nährstoffgehalt auf. Heu, welches vor der Blüte gemäht wurde, ist zwar reich an Nährstoffen, aber relativ „weich“, hat also weniger Rohfaser. Bei leichtfuttrigen Pferden oder solchen mit Neigung zur Kolik, kann die weiche Konsistenz ein Problem darstellen: Die Fresszeiten sind aufgrund der Struktur recht kurz, das Pferd kann das Heu „hinunterschlingen“, so dass vereinzelt Koliken oder Schlundverstopfungen auftreten können. Dasselbe gilt auch für Heu vom zweiten Schnitt. Es ist weniger stängelig und hart als das Heu vom ersten Schnitt und enthält keine getrockneten Blüten.


Hochwertiges Heu erkennen

Die jeweiligen Nährstoff-, Eiweiß- und Energiegehalte von Heu unterscheiden sich also stark voneinander. Noch wichtiger als der Erntezeitpunkt ist die Qualität des Heus. Schimmeliges oder verunreinigtes Heu kann zu schweren gesundheitlichen Problemen führen. Mithilfe seiner Sinne kann der Pferdehalter überprüfen, wie es um die Heuqualität bestellt ist.

Gutes Heu für Pferde erkennen Sie an den folgenden Merkmalen:

  • Aromatischer Geruch
  • Nicht staubig
  • Olivgrüne bis hellgrüne Farbe
  • Enthält kein Schilf oder nur harte Stängel
  • Riecht nicht alt, muffig oder moderig
  • Ist nicht schimmelig
  • Enthält keine Erdreste.


Wie sollte ich das Heu am besten Füttern?

Für die Heufütterung gibt es verschiedene Möglichkeiten. Hier die verschiedenen Arten der Heugabe und ihr Vor- und Nachteile:

 

 

Heu vom Boden füttern

+ unkompliziert

+ natürliche Fresshaltung

- Verunreinigung

- Gefahr von Sandkoliken

Heuraufe

+ stabil

- Verletzungsgefahr bei mangelnder Befestigung

Heunetz

+ verlängerte Fressdauer

- Verletzungsgefahr bei nicht sachgerechter Aufhängung

Futterautomat

+ kontrollierte Fütterung

- kostspielig in der Anschaffung

Wie viel Heu braucht das Pferd?

Wer zu wenig Heu füttert, riskiert, dass der Vierbeiner krank wird. Deswegen ist eine dem Bedarf des Pferdes angepasste Menge Heu ausgesprochen wichtig! Mindestens (!) 1,5 Kilo Heu pro 100 Kilo Körpergewicht des Pferdes lautet die Faustformel. Bei einem durchschnittlichen Warmblut wären das also gut zehn Kilo Heu täglich. – mindestens. Aufgrund dessen, dass der Magen des Pferdes dauerhaft Magensäure produziert, sollten die Heugaben über den Tag verteilt werden, so dass keine Fresspausen von mehr als vier Stunden zwischen den einzelnen Mahlzeiten entstehen. Im Idealfall wird Heu stets vor dem Kraftfutter gereicht. Heunetze können die Fressdauer erhöhen und sorgen dafür, dass die Vierbeiner länger beschäftigt sind. Allerdings ist hier darauf zu achten, dass die Heunetze so angebracht werden, dass das Pferd durch sie nicht in eine unnatürliche Fresshaltung gerät – das wirkt sich dauerhaft negativ auf den Körper des Tieres aus. 20 bis 30 cm über der Standhöhe gelten als ideal. Aber Vorsicht: zu tief angebrachte Heunetze bergen die Gefahr, dass sich Pferde, insbesondere Eisenträger, in den Netzen verfangen und sich dabei verletzen können!


Fohlen liegt in einem Heuhaufen
Gutes Heu fühlt sich auch gut an!

Heu Alternativen – Welche gibt es?

Die Heuernte fällt in manchen Jahren mager aus – dementsprechend kaufen Pferdehalter in solchen Fällen Heu zu oder sehen sich nach Alternativen um. Doch gibt es überhaupt wirkliche Alternativen zum Heu und welche Nachteile haben diese unter Umständen?

Stroh

Strohwird häufig dafür eingesetzt, um Heu zu „strecken“ oder soll gar Heurationen ersetzen. Der Haken: Beim Fressen von Stroh produziert das Pferd weniger Speichel, so dass die Gefahr von Koliken steigt, wenn auf Stroh als Heuersatz zurückgegriffen wird. Mehr als ein Kilo Stroh pro 100 Kilo Körpergewicht gelten in Bezug auf das Kolikrisiko als kritisch, insbesonders, wenn das Pferd sich wenig bewegt. Bei der Fütterung von Stroh sollte immer darauf geachtet werden, dass dem Vierbeiner ausreichend frisches Wasser zur Verfügung steht. Stroh hat außerdem ein Drittel weniger Energie als Heu und weist einen niedrigeren Eiweißgehalt auf, auch das sollte man bei der Strohfütterung bedenken.

Silage

Silage kann eine Alternative zu Heu darstellen – vorausgesetzt, sie ist von hochwertiger Qualität und hygienisch einwandfrei. Und genau da liegt das Problem, denn Silage ist höchst anfällig für Verschmutzungen, Keimentwicklung und verdirbt leicht. Weit verbreitet sind Clostridien in Silage – das sind die Bakterien, die Botulismus beim Pferd hervorrufen können. Botulismus äußert sich durch Lähmungen und schwere Koliken, daher ist das Füttern von Silage durchaus risikobehaftet. Dazu kommt: Auch qualitativ hochwertige Silage wird nicht von allen Pferden gut vertragen. Einige von ihnen reagieren mit Durchfall, Blähungen und Koliken auf die sogenannten biogenen Amine in Silage.

Heucobs

Das Zufüttern von Heucobs bietet sich nicht nur in mageren Erntejahren an – auch bei Pferden mit Zahnproblemen können die Cobs eine Alternativ zum „täglich Heu“ bilden. Aufgrund ihrer schonenden Verarbeitung bleiben in Heucobs die wichtigen Nährstoffe des Heus erhalten, sie sind gut verdaulich, staubfrei und werden gerne gefressen.

Mehr zum Thema Heucobs: Wenn Sie mehr über die Fütterung von Heucobs erfahren möchten, empfehlen wir Ihnen den Ratgeber "Heucobs füttern – Tipps für die Fütterung von Heucobs beim Pferd."

Unsere Heu-Alternative für Ihren Vierbeiner:


Fazit

Heu bildet die Grundlage der Pferdefütterung. Gutes Heu erkennt man mit allen Sinnen: Es duftet gut, fühlt sich gut an und hat eine kräftige Farbe. Mit wichtigen Nährstoffen, Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen ausgestattet, ist Heu der Rohfaser-Lieferant Nummer 1 auf dem Speiseplan des Vierbeiners und sorgt dafür, dass die Verdauung optimal funktioniert und das Pferd sich lange mit seiner Nahrung beschäftigen kann, wie es seiner Vergangenheit als Steppentier entspricht. Eine ausreichende Menge Heu in guter Qualität, in mehreren Mahlzeiten über den Tag verteilt, trägt also dazu bei, dass das Pferd gesund, satt und ausgeglichen ist. Heu kann als Alleinfuttermittel dienen, sollte dann aber mit einem hochwertigen Mineralfutter ergänzt werden. Bei Heuknappheit oder Pferden mit Zahnproblemen, können ergänzend Heucobs gefüttert werden, um einen eventuellen Mangel auszugleichen.