„Ich kann essen, was ich will – ich nehme einfach nicht zu!“ – dieser Spruch könnte von Ihrem Pferd sein? Während die Stallkumpels Futter nur anzuschauen brauchen, um rund zu werden, ist der „Spargeltarzan“ der zweite Vorname Ihres Vierbeiners? Sie brauchen Ihre Hände nicht, um die Rippen Ihres Pferdes zählen zu können, ein Blick genügt? Dann fragen Sie sich wahrscheinlich, ob Ihr Pferd zu dünn sein könnte. Und was Sie tun können, damit Ihr „Hungerhaken“ zunimmt.


Stehendes braunes Pferd auf der Wiese
Ob Pferde wirklich zu dünn sind, lässt sich mit dem Body Condition Score ermitteln.

Was tun, wenn das Pferd zu dünn ist?

Zunächst gilt es, herauszufinden, ob Ihr Pferd tatsächlich zu dünn ist – manchmal wird (zum Beispiel trainingsbedingte) schlechte Bemuskelung mit Untergewicht verwechselt. Bei beidem besteht Handlungsbedarf – die zu ergreifenden Maßnahmen unterscheiden sich jedoch voneinander und auch die Ursachen sind unterschiedliche.

Als Faustregel zum einfachen Erkennen von Untergewicht gilt: Die Rippen sollten fühlbar, aber nicht sichtbar sein.

 

Gewicht berechnen ist nicht alles

Wie viel ein Pferd wiegt, lässt sich am besten mit der Pferdewaage feststellen.
Doch auch mit einem Gewichtsmaßband und der entsprechenden Formel können Sie ermitteln, wie viele Kilos Ihr Vierbeiner in etwa auf die Waage bringt:
Messen Sie hierfür den Brustumfang des Vierbeiners in Höhe der Gurtlage und die Länge vom Buggelenk bis zum Sitzbeinhöcker. Mit der Anwendung folgender Formel können Sie im Anschluss das Gewicht des Pferdes berechnen:

Brustumfang in cm x Brustumfang in cm x Länge in cm) / 11.877 = Gewicht des Pferdes in Kilogramm

Das Gewicht allein ist allerdings wenig aussagekräftig. Wichtiger ist das Verhältnis von Körperfett und Muskelmasse. Die klassische Pferdewaage oder die Formel zur Berechnung ist damit ein wichtiger Anhaltspunkt, aber nicht das Maß aller Dinge, da die Verteilung von Fett und Muskulatur damit nicht ermittelt werden kann. Aufschlussreicher ist die Ermittlung des Body Condition Score, kurz BCS.

Ist das Pferd zu dünn, geht es zunächst an die Ursachenforschung. Die Hauptursachen für Untergewicht beim Pferd sind:

  • Gesundheitliche Probleme, zum Beispiel Parasiten, Stoffwechsel- oder Zahnprobleme
  • Nicht genügend Raufutter
  • Stress in der Herde, niedriger Status in der Rangordnung

Um gesundheitliche Probleme als Ursache dafür auszuschließen, dass Ihr Pferd zu dünn ist, sollten Sie also immer den Tierarzt mit ins Boot holen. Zusatzfutter bringt wenig, wenn das Pferd aufgrund von Zahnproblemen nicht genügend Raufutter aufnehmen kann. Verwurmte Vierbeiner nehmen nicht zu, auch Magengeschwüre oder andere Probleme des Verdauungssystems können dazu beitragen, dass Ihr Pferd nicht genug auf die Rippen bekommt. Ist gesundheitlich alles in bester Ordnung, sollten Sie die Fütterung und die Haltungsbedingungen des Vierbeiners genauer unter die Lupe nehmen. Offenbar verbraucht Ihr Pferd mehr Kalorien, als es aufnimmt.

Kalorienkiller erkennen und beheben Stress in der Herde, intensives Training und niedrige Temperaturen, in Kombination mit Wind und Regen, sind wahre Kalorienkiller. Bei untergewichtigen Pferden sollten diese Punkte besonders beachtet und ggf. geändert werden, um das Pferd aufzupäppeln.


Sehr dünnes Pferd frisst auf der Wiese
Bei zu dünnen Pferden sind die Rippen gut sichtbar.


Dickmacher, Aufbaufutter, Kalorienbomben – Das richtige Futter für das dünne Pferd

Stehen die Aufnahme und der Verbrauch von Kalorien im ungünstigen Verhältnis zueinander, rückt neben der Haltung auch die Fütterung ins Visier. An erster Stelle steht hier: Heu. Heu ist nach wie vor ein unterschätzter Bestandteil in der Fütterung und gerade für „Hungerhaken“ essentiell!

 

Heufütterung überprüfen:

Ein Pferd benötigt mindestens 1,5 Kilogramm Heu pro Kilogramm Körpergewicht. Aber Achtung: Es handelt es sich hier um eine Mindestangabe! Ist Ihr Pferd zu dünn, sollten Sie als erste Maßnahme die Heumenge steigern!

Heu ist ein wichtiger Energielieferant und sorgt dafür, dass Ihr Pferd auch andere Futtermittel besser verwerten kann. In mageren Zeiten beim Pferd ist eine ordentliche Menge Heu von guter Qualität also das beste Aufbaufutter, sofern der Bedarf an Mineralien und Vitaminen über ein Zusatzfutter abgedeckt wird.

Je länger die Fresszeit, desto besser die Verdauung: Heu in großen Mengen über den Tag verteilt, oder zur freien Verfügung, ermöglicht eine optimale Nährstoffverwertung. Fresspausen stressen den Organismus des Pferdes – und Stress ist ein Kalorienkiller. Sorgen Sie also im Bezug auf die Fütterung als Erstes für eine ausreichende Versorgung mit dem hochwertigen Raufutter! Heu vom ersten Schnitt und von guter Qualität hat dabei deutlich mehr Nährstoffe und auch mehr Kalorien – fällt Ihr Pferd trotz großzügiger Heufütterung vom Fleisch, sollten Sie die Qualität und den Erntezeitpunkt des Heus überprüfen.

Info: Grundsätzlich wird in der Pferdefütterung relativ spät gemähtes Heu bevorzugt, weil mehr Rohfaser und weniger Zucker enthalten ist. Zu spät gemähtes Heu enthält aber möglicherweise zu wenig Energie und Protein für sehr schwerfuttrige Pferde. Mehr zum Thema Heu erfahren Sie auch in unserem Ratgeber.

TIPP Füttern Sie stets erst Heu, dann Kraftfutter oder Zusatzfutter. Das sorgt für eine bessere Verwertung der Inhaltsstoffe des Futters!


Weide unter die Lupe nehmen

Dass Pferde im Winter leicht an Gewicht verlieren, ist nicht ungewöhnlich und gerade bei einem kleinen Weidebauch auch erwünscht. Spätestens im Frühjahr mit Beginn der Weidesaison, kommen dann in der Regel auch die Kilos zurück.

Weidegang ist in der Regel ein wahrer „Dickmacher“ , denn Weide liefert bei ausreichend Aufwuchs viel leicht verdauliche Energie, Eiweiß und viele Vitamine.

Steht Ihr Pferd auf der Wiese und nimmt dennoch nicht zu, könnte dies an der Art des Grases liegen. Denn Weide ist nicht gleich Weide. Ein strukturreicher Bewuchs mit für Pferde geeigneten Gräsern unterstützt die Verdauung des Pferdes und damit auch die optimale Verwertung des Futters. Kuhweiden haben einen ähnlichen Effekt bei Pferden, wie Fastfood beim Menschen: Das für Hochleistungsrinder ausgesäte Gras enthält jede Menge Zucker- bzw. Fruktan und macht zwar dick, ist allerdings auch eine Gefahrenquelle für Stoffwechselerkrankungen wie Hufrehe, Cushing und EMS.

Raufaser ist außerdem auch während der Weidesaison wichtig. Füttern Sie beim Weidegang zusätzlich Heu. Sollte Ihr Pferd daraufhin das Gras verschmähen und sich nur noch über das Heu hermachen, können Sie davon ausgehen, dass der Bewuchs der Wiese den Nährstoffbedarf des Pferdes nicht deckt. Auch abgegraste Weiden bieten Pferden nicht mehr genügend Energie und Nährstoffe. Hier sollten Sie unbedingt zufüttern.

Herde beobachten

Steht Ihr Pferd in der Hackordnung ganz unten? Dann könnte dies dazu führen, dass es nicht genügend Futter aufnehmen kann. Rangniedrige Pferde im Offenstall sind häufig Stress ausgesetzt, da ihnen ranghöhere Tiere das Futter streitig machen. Beobachten Sie daher ganz genau, ob Ihr Pferd in der Herde in Ruhe und ausreichend fressen kann. Eine separate Fütterung von Heu und Zusatzfutter kann dabei helfen, den Energiebedarf des rangniedrigen Pferdes zu decken. Eventuell muss die Herdenkonstellation oder die Haltung geändert werden, sollte das zu dünne Pferd bei der Kost nicht auf seine Kosten kommen.

Einige Pferde beim fressen von Heu
Wichtigstes Pferdefutter: Auffüttern und Verdauung unterstützen mit Heu


Extra Kalorien: Wann Zufüttern sinnvoll ist

Zusätzlich zum Heu können Sie auf dem Weg zum Idealgewicht Kraftfutter reichen. Kraftfutter hat den Vorteil, dass, im Vergleich zum Heu, kleinere Mengen einen größeren Anteil an Energie haben. Außerdem sind in hochwertigem Zusatzfutter wichtige Nährstoffe, Mineralien und Vitamine enthalten, die Ihrem Pferd dabei helfen, seine Nahrung optimal zu verwerten. Das im Kraftfutter häufig enthaltene Getreide sollte dabei leicht verdaulich sein: hydrothermisch aufgeschlossener Mais oder Gerste sind zum Beispiel hervorragende Energielieferanten, die sich gut als Aufbaufutter bei zusätzlichem Kalorienbedarf eignen.

Ideal sind sie in Kombination mit Mineralien und Vitaminen und Öl. Pflanzenöle enthalten, im Gegensatz zu Getreide, keine Proteine und sind damit ein leicht verdaulicher Futterbestandteil, der das Pferd darin unterstützt, an Gewicht zu gewinnen. Ist ein Pferd zu dünn, sollten Sie in Erwägung ziehen, dass ihm womöglich wichtige Mineralien, Spurenelemente und Vitamine fehlen. Stellen Sie sicher, dass Ihr Pferd, zusätzlich zu Gras und Heu, auch mit einem hochwertigen Mineralfutter mit den für es wichtigen Nährstoffen versorgt ist.

Pferd zu dünn - was füttern?


Altes Pferd wird immer dünner – Was tun?

Spätestens wenn Pferderentner abbauen, ist es Zeit, die Fütterung an ihre Bedürfnisse anzupassen: Mit zunehmenden Alter verlangsamt sich die Darmmotorik, Muskel-und Körpermasse nehmen ab, Zahnprobleme entstehen und auch die Speicherfähigkeit des Körpers für Nährstoffe sinkt. Ein hochwertiges Zusatzfutter, angepasst an den Bedarf des alten Pferdes, ist nun essentiell. Die Fütterung von Heucobs und Mash kann eine wertvolle Ergänzung des Speiseplans darstellen, um den Pferderentner auch bis ins hohe Alter fit und gesund zu halten. Lesen Sie hier mehr über die richtige Fütterung alter Pferde.


Was Sie außerdem tun können, wenn das Pferd zunehmen soll

Liegt das Pferd wesentlich unter seinem Idealgewicht, ist eine ganzheitliche Herangehensweise wichtig! Mehr Heu füttern bringt wenig, wenn Ihr Pferd rangniedrig ist und keine Chance gegen die dominanten Pferdekumpels im Offenstall oder auf der Koppel hat. Mehr Kraftfutter oder ein Aufbaufutter zum Zunehmen macht wenig Sinn, wenn nicht auch die Raufuttermenge angepasst wird. Eine fette Weide macht das Pferd zwar zunächst rund, aber im Zweifelsfalle auch krank. Ein unterernährtes Pferd wird auch einen Mangel an Mineralien, Vitaminen und Spurenelementen haben, so dass Sie hier mit einem auf seine Bedürfnisse abgestimmten Zusatzfutter unterstützen sollten. Ist das Pferd zu dünn, sollten Sie während der Aufbauphase mit dem Training nicht übertreiben. Sport macht schlank und verbrennt Kalorien – achten Sie darauf, dass die Fütterung an die Leistung Ihres Pferdes angepasst wird und verlangen Sie vom untergewichtigen Pferd keine sportlichen Höchstleistungen. Leichte Arbeit unter dem Sattel, Spaziergänge, Longen- und Bodenarbeit und natürlich viel Bewegung an der frischen Luft sorgen für Muskelaufbau und gute Laune, ohne, dass die Kilos schmelzen. Apropos gute Laune: Stress schlägt auf den Magen und greift das Immunsystem an. Für manche Pferde sind der Transport, Wettkämpfe oder Ärger in der Herde purer Stress – wenn Ihr Spargeltarzan nicht mit Nerven wie Drahtseilen gesegnet ist, kann sich das auch auf sein Gewicht auswirken. Sorgen Sie daher für Erholungsphasen und ganz viel Ruhe beim Fressen – mit möglichst kurzen Fresspausen.


Fazit

Liegt das Pferd nur geringfügig unter seinem Idealgewicht und ist es gut bemuskelt und bei bester Gesundheit, besteht kein Grund zur Sorge. Eine schlanke Linie schützt vor Stoffwechselkrankheiten und körperlichen Beschwerden durch Übergewicht.

Baut das Pferd ab oder ist es tatsächlich zu dünn, sollten gesundheitliche Probleme zunächst ausgeschlossen werden. Die Verfügbarkeit von mit hochwertigem Heu in ausreichender Menge, sowie die Versorgung mit Mineralien, Vitaminen und Spurenelementen sollten sichergestellt sein. Vor der Frage, wie viel Sie zufüttern sollten, steht die Frage nach dem „Was“ – viel hilft nicht unbedingt viel. Wichtiger sind die Inhaltsstoffe, die Qualität, die Verdaulichkeit, die Verfügbarkeit der Nährstoffe und die artgerechte Darreichungsform des Futters.

Eine Rolle spielt auch die Haltung: Stress macht schlank, manchmal haben rangniedrige Pferde auch Probleme, an ausreichend Futter zu kommen. Wenn sich bei Ihrem Pferd die Rippen zeigen, bedeutet dies also immer genauer hinzusehen. Um eventuelle Energieräuber auszumachen und abzustellen.