Fünf ausgebüxte Pferde galoppieren über die Autobahn in Hessen – Vollsperrung. Ein Pferd erschreckt sich beim Hufe auskratzen in Brandenburg – schwere Trittverletzung bei der Reitbeteiligung mit Krankenhausaufenthalt. Aufgrund einer Kolik wird eine Operation bei einem Pferd in Bayern fällig – Kosten der Kolikoperation in der Klinik: rund 7000 Euro.

Horrorszenarien wie diese lassen Pferdefreunde die Haare zu Berge stehen. Leider sind sie nicht selten. Statistiken zufolge ist das größte Glück der Erde auch mit ziemlichen Risiken behaftet. Nicht nur die Gesundheit von Pferd und Reiter steht dabei oft auf dem Spiel. Bei Schadensfällen in Zusammenhang mit Pferden geht es häufig hohe Summen.

Deswegen ist eine Pferdeversicherung durchaus sinnvoll. Denn im Falle eines Falles kann sie zwar nichts ungeschehen machen, aber zumindest dramatische, finanzielle Folgen eindämmen oder vermeiden. In unserem Ratgeber zum Thema Pferdeversicherungen erfahren Sie, welche Versicherung beim Pferd sinnvoll ist – von der Pferdehaftpflichtversicherung über die Pferdekrankenversicherung bis zur Pferde-OP-Versicherung. Außerdem verraten eine Pferdeversicherung an Kosten mit sich bringt und wann sich ein Vergleich lohnt.


Welche Pferdeversicherung brauche ich wirklich?

Pferde sind kostenintensiv – das ist kein Geheimnis. In Schadensfällen kann eine Pferdeversicherung Pferdebesitzer davor bewahren, dass die Schadenssumme nicht ins Unermessliche wächst. Denn bei Reitunfällen oder Unfällen im Umgang mit Pferden, im Krankheitsfall oder im Falle einer OP beim Pferd wird die Geldbörse schnell erleichtert. Welche Versicherungen für einen Pferdebesitzer notwendig sind, muss jeder individuell entscheiden. Dennoch wollen wir Ihnen einen Überblick verschaffen, wenn Sie sich die Frage stellen, welche Versicherung beim Pferd für Sie sinnvoll ist – und welche Sie sich gegebenenfalls sparen können.


Zwei Pferde auf einem Paddock
Pferdehaftpflichtversicherung: Nicht alle haben gleiche Leistungen!

Pferdehaftpflichtversicherung – Nicht am falschen Ende sparen!

Auch wenn der Name anderes vermuten lässt: Pflicht ist eine Pferdehaftpflichtversicherung bei der privaten Pferdehaltung oder -nutzung nicht. Dennoch sollten Pferdebesitzer keinesfalls darauf verzichten! Die normale Privathaftpflicht schließt Pferde nämlich nicht mit ein. Für den Gesetzgeber stellt die Haltung von Pferden allein schon eine Gefahr dar. Und die bedarf einer besonderen Versicherung. Deswegen gibt es die Pferdehaftpflicht.

Pferdehalter haften für alle Schäden, die ihr Tier bei Dritten verursacht. Das gilt sowohl für Sachen als auch für Personen. Vom folgenschweren Tritt bis zum Unfall, bei dem Gegenstände oder im schlimmsten Falle andere Menschen in Mitleidenschaft gezogen werden – die Pferdehaftpflicht springt ein, wenn es um Personenschäden, Sachschäden oder Vermögensschäden geht. Sie wehrt auch Schadensforderungen von anderen Parteien ab. Die beste Pferdeversicherung lässt sich dabei nicht eindeutig festlegen. Es kommt darauf an, welche Risiken der Pferdehalter im Rahmen der Pferdehaftpflicht abgesichert haben will, wie er das Pferd nutzt und ob nur er oder auch andere das Pferd reiten. Ein Pferdehaftpflicht-Vergleich nimmt nicht viel Zeit in Anspruch und lohnt sich durchaus, damit im Falle eines Falles nicht das böse Erwachen droht! Welche Leistungen genau in einer Pferdehaftpflichtversicherung enthalten sind, muss individuell überprüft werden.

Pferdehaftpflicht – Was ist wichtig?

  • Deckungssumme: Sie sollte nicht unter 5 Millionen Euro liegen. Sonst müssen Kosten, die über der Versicherungsgrenze liegen selbst getragen werden.
  • Leistungsumfang: Er ist in der Versicherungspolice detailliert beschrieben. Von klassischen Haftpflichtschäden über eingeschlossenes Fremdreiterrisiko, Schäden an Mietsachen bis hin zu „exotischeren“ Leistungen wie dem Schutz im Falle von Unfällen beim Reiten im Damensattel – je nach Nutzung und Einsatz des Pferdes sollte der Leistungsumfang der jeweiligen Pferdehaftpflichtversicherung vor Abschluss genau überprüft werden!
  • Wartezeit nach Versicherungsbeginn: Einige Versicherer kommen erst nach einer gewissen Wartezeit nach Abschluss des Vertrages für Schäden auf. Hier lohnt ein genauer Blick auf den Vertrag!
  • Erhöhung der Versicherungsprämie nach einem Schadensfall: Auch hier lohnt sich ein kritischer Blick auf die Police. Wird die Versicherung im Falle eines Falles teurer? Das unterscheidet sich von Anbieter zu Anbieter und kann ein weiteres wichtiges Kriterium bei der Wahl der richtigen Pferdeversicherung sein!
  • Mindestvertragslaufzeit: Erlischt die Pferdeversicherung beim Verkauf oder Tod des Pferdes automatisch? Das ist nicht immer der Fall, denn manche Versicherungen haben eine Mindestlaufzeit von mehreren Jahren. Fragen Sie nach, bevor Sie einen Versicherungsvertrag unterzeichnen!


Trauriges Pferd in Nahaufnahme
Pferde OP-Versicherung: Autsch! Die Kosten für Operationen beim Pferd können hoch sein!

Pferde-OP-Versicherung – Erfahrungen und Fallstricke

20 bis 30 Prozent aller Pferde mit einer Kolik müssen sich einer Operation unterziehen. Und Ddas kann teuer werden! Operationskosten um die 5000 Euro sind da keine Seltenheit –neben OP-Kosten kommen immerhin noch stattliche Summen für Nachbehandlung und eventuellen Klinikaufenthalt dazu. Da scheint eine Pferde-OP-Versicherung sinnvoll, auch wenn sie nicht verpflichtend für Pferdebesitzer ist: Sie kann Operationskosten infolge von Unfällen oder Krankheiten bis zu 100 Prozent abdecken. Nicht nur im Falle einer Kolik. Die Betonung liegt auf „kann“. Die Erfahrungen mit solchen OP-Versicherungen beim Pferd sind, glaubt man Berichten erfahrener Pferdehalter, sehr unterschiedlich. Die Leistungen im Versicherungsfall variieren, je nach Anbieter, stark. Und so mancher wog sich mit seiner Pferde-OP-Versicherung in Sicherheit – bis der Schadensfall dann tatsächlich eintrat. Deswegen sollten Sie auch bei der Pferde-OP-Versicherung vor Versicherungsabschluss das Kleingedruckte studieren! Und überprüfen, wie der jeweilige Anbieter folgende Fragen handhabt:

Pferde-OP-Versicherung – Was beim Vergleich wichtig ist

  • Selbstbeteiligung: Wie hoch ist sie? Übernimmt der Versicherer 100% der Kosten?
  • Gibt es eine Obergrenze beim jährlichen Budget für Operationen? Gibt es eine Obergrenze für die Anzahl an Operationen pro Jahr?
  • Tierärztliche Leistungen: Welche G.O.T ist mit abgedeckt?

Pferdeversicherung? Vorsicht G.O.T.! Die „Gebührenordnung der Tierärzte“ In der G.O.T. sind die Preise geregelt, die ein Tierarzt für seine Behandlung abruft. Jede Behandlung ist hier detailliert mit jeweiligem Preis aufgeführt. Am Ende setzt sich daraus die Höhe der Tierarztrechnung zusammen. Aber Vorsicht: Die G.O.T. gibt es in verschiedenen Abstufungen. Die G.O.T. 2 ermöglicht es einem Tierarzt beispielsweise, für spezielle Leistungen einen Preisaufschlag in Rechnung zu stellen. Noch höher sind die „Extrakosten“ in der G.O.T. 3. Einige Versicherer decken in ihren Tarifen nicht alle G.O.T. ab. Klären Sie dies vorab mit dem Versicherer. Oder informieren Sie die Tierärzte im Falle einer Operation noch vor der Behandlung, dass Sie Beträge, die über das hinausgehen, was Ihre Versicherung für Operationen im Rahmen der G.O.T. nicht abdeckt, nicht privat übernehmen!


Zwei Pferde auf einer Weide
Pferdekrankenversicherung: Eine „Flatrate“ für den Tierarzt?

Pferdekrankenversicherung – Nicht unbedingt ein Komplettpaket

Einschuss, Husten, Hufrehe: Unsere geliebten Vierbeiner kommen selten ohne Verletzungen oder Krankheiten durchs Leben. Manche von ihnen sind sehr kostspielig – zur Sorge ums Pferd kommen dann oft auch noch finanzielle Sorgen hinzu. Eine Krankenversicherung fürs Pferd scheint da verlockend. Wäre es nicht schön, müsste man nur einen gewissen Betrag X pro Monat investieren und schon wären alle Wehwehchen des Tieres über die Pferdeversicherung abgedeckt? Tatsächlich bieten einige Versicherer einen „Vollschutz“ an, innerhalb dessen die meisten Behandlungskosten im Krankheitsfall abgedeckt sind. Allerdings sind diese sehr teuer. Wurmkuren und Impfungen sind nicht mit in der Versicherung eingeschlossen.  Wer sich dennoch für eine Krankenversicherung beim Pferd entschließt, sollte genau überprüfen, welche Behandlungen im Leistungskatalog abgedeckt sind. In den meisten Fällen ist eine reine Pferde-OP-Versicherung günstiger, da die monatlichen Beträge hier deutlich niedriger ausfallen, als bei der hochpreisigen Pferdekrankenversicherung. Ob eine Pferde Krankenversicherung für den Einzelnen Sinn macht, muss der Pferdehalter selbst entscheiden.

 


Steigendes Pferd mit Reiter
Keine reine Pferdeversicherung: Die Unfallversicherung für Reiter

Reiterunfallversicherung – Ist sie wirklich sinnvoll?

Statistiken zufolge ereignen sich in Deutschland 30.000 bis 40.000 Reitunfälle im Jahr, deren Opfer ärztlich behandelt werden müssen. Einer von fünf Reitern erleidet in seiner Reiterlaufbahn einen schweren Unfall. Der Umgang mit einem etwa 500 Kilogramm schweren Tier, das es auf Geschwindigkeiten von bis zu 65 km/h bringt und bei einem Tritt eine Kraft von bis zu einer Tonne entwickeln kann, ist nicht ohne Risiko. Eine Reiterunfallversicherung wird daher oft empfohlen und kann durchaus sinnvoll sein. Aber: Sollten Sie bereits eine reguläre Unfallversicherung haben, erkundigen Sie sich unbedingt bei Ihrem Versicherer, ob Reiten nicht bereits abgedeckt ist. Bei den meisten Anbietern von Unfallversicherungen ist dies nämlich der Fall! Dennoch gilt es hier herauszufinden, ob auch Unfälle von Reitbeteiligungen mit im Schutz inbegriffen sind. Folgende Fälle sind, je nach Leistungsumfang, innerhalb einer Reiterunfallversicherung abgedeckt:

  • Krankenhaustagegeld für Reiter
  • Aufwendungen für Suche, Bergungs- oder Rettungseinsätze für Pferd und Reiter
  • Unfallrente bei Invalidität

Reiterunfallversicherung – ist die Reitbeteiligung mit einbegriffen? Wichtig ist abzuklären, ob die Reitbeteiligung ebenfalls vom Versicherungsschutz profitiert. Manche Pferdebesitzer sichern sich ab, indem sie sich von einer künftigen Reitbeteiligung den Nachweis einer Reiterunfallversicherung vorlegen lassen, sollte diese im Vertrag des Pferdehalters nicht mit abgedeckt werden. Gut zu wissen: Oft sind Reitunfälle in der regulären Unfallversicherung schon mit abgedeckt! Überprüfen Sie daher, ob das bei Ihrer Reitbeteiligung der Fall sein könnte!


Reiterin streichelt ihr Pferd
Versicherung beim Pferd: Sie kann durchaus sinnvoll sein!

Weitere Pferdeversicherungen – Welche gibt es außerdem?

Neben der Pferdekrankenversicherung, der Pferde-OP-Versicherung, der Pferdehaftpflichtversicherung und der Reiterunfallversicherung bieten einige Anbieter auch weitere Versicherungen an. Zu ihnen gehören:

Art der Pferdeversicherung                               Welche Leistung verspricht sie?

Pferde Rechtsschutzversicherung

Übernimmt, je nach Leistungsumfang, Kosten für anwaltliche Hilfe, die Pferdehalter bei Rechtsstreitigkeiten benötigen könnten.

Pferde Transportversicherung

Kann einmalig beim Transport eines Pferdes zum neuen Besitzer abgeschlossen werden oder bei häufigen Fahrten, zum Beispiel zum Turnier. Der Leistungsumfang ist hier in den meisten Fällen jedoch sehr begrenzt.

Pferde Lebensversicherung

Greift bei Tod oder Nottötung während des Transportes des Pferdes, bei Schäden durch Diebstahl, Brand- oder Blitzschlagsschäden, bei Tod oder Nottötung bei Krankheit oder Unfall, bei ungeborenen Fohlen oder dauernder Unbrauchbarkeit – je nach Leistungskatalog der Versicherung.

Pferde Hausratversicherung

Als „Extra“ können Pferdehalter Sattel oder Zaumzeug bei manchen Versicherern mit in die reguläre Hausratsversicherung aufnehmen lassen. Darüber hinaus gibt es auch eine separate Hausratsversicherung für Reiter.


Tarife – Was kostet eine Versicherung fürs Pferd?

Zwischen sinnvoll und überflüssig ist bei Pferdeversicherungen oft ein schmaler Grad. Einige der oben genannten Pferdeversicherungen sind aber durchaus empfehlenswert. Und können dabei helfen, zumindest das finanzielle Risiko zu reduzieren. Je nach Anbieter und Leistungsumfang variieren die Preise für die Versicherung beim Pferd stark. Ein Vergleich der Tarife lohnt sich daher immer!

Hier eine Übersicht der etwaigen Kosten für die wichtigsten Pferdeversicherungen:

  • Pferdehaftpflichtversicherung: Tarife ab ca. 5 Eur/Monat
  • Pferde-OP-Versicherung: Tarife ab ca. 17 Eur/Monat
  • Pferde-Krankenversicherung: Tarife bei ca. 150 Eur/Monat

Je nachdem, was Sie alles mit Ihrem geliebten Vierbeiner unternehmen, wer alles mit ihm zu tun hat und wie hoch der Wert des Tieres auf dem Papier ist, sollten Sie dies bei der Auswahl des Versicherungsschutzes berücksichtigen. Die Kosten für die Pferdehaftpflicht Versicherung und eine Unfallversicherung, wie ggf. auch die einer OP-Kosten-Versicherung können im Vergleich zu dem, was im Falle eines Falles finanziell auf Sie zukommt, als lohnenswerte Investition gesehen werden. Vergleichen Sie in jedem Falle die Tarife der einzelnen Anbieter und die eingeschlossenen Leistungen. Studieren Sie auch das Kleingedruckte, bevor Sie sich vertraglich binden! Viele Versicherer bieten auch Komplettpakete für Versicherungen privater Pferdehalter, innerhalb derer eine günstige Versicherung mehrerer Bereiche möglich ist.


Fazit

Unfälle, Sachschäden oder Rechtsstreits sind nichts, womit sich der Pferdehalter gerne beschäftig. Trotzdem lohnt es sich durchaus mit einer entsprechenden Pferdeversicherung vorzubauen, falls der Fall der Fälle eintritt und einen ausführlichen Vergleich der Pferdeversicherungen vorzunehmen. Einige der angebotenen Versicherungen fürs Pferd, allen voran die Pferdehaftpflichtversicherung, sind sehr sinnvoll – andere wiederum lohnen sich nur in Einzelfällen. Den Leistungskatalog der Versicherer sollten Sie vor Abschluss mit mindestens so viel Aufmerksamkeit studieren, wie einen Katalog für Pferdeartikel – denn das kann bares Geld sparen, wenn es mal darauf ankommt.